hin- und hergeworfen zu werden. In dieser Hinsicht begibt man sich in der irdischen Liebe und der göttlichen Liebe auf denselben gefährlichen Pfad. Musik ist in diesem „Liebesreigen“ sowohl Ansporn, sich der Liebe zu ergeben, als auch Trost für ihren Verlust. Lauscht man der wundervollen Vertonung einer tragischen Liebeserfahrung, wird der eigene Kummer zumindest teilweise gestillt. In diesem Sinne stimmen wir mit Like as the lute delights auf die Fährnisse der Liebe ein. Wie ein Künstler die Saiten eines Instruments erklingen lässt, so bringt auch die Musik die Saiten des Herzens zum Schwingen und die durch das Instrument erzeugten wechselnden Stimmungen können die Sänger in Verzückung geraten lassen oder in Verzweiflung stürzen, so wie Liebende oder aber eine Muse mit ihren musikalischen Raffinessen andere in ihren Bann schlagen können. John Danyel – als versierter Lautenspieler – und sein Bruder Samuel, der den Text verfasste, spielen sich in diesem Stück geistreich die Bälle zu. In heutiger Zeit ist John Dowland, ein Zeitgenosse der Gebrüder Danyel, besser bekannt, aber alle drei, wie auch ihr etwas jüngerer Kollege Robert Johnson, bewegten sich in dem eng miteinander verknüpften Musik- und Theatermilieu Londons im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert. Während die Gebrüder Danyel und Robert Johnson sich ihren Lebensunterhalt mit Musikstücken für Theater und sonstige Vergnügungen verdienten, hatte Dowland immer seine Karriere im Blick und veröffentlichte zwischen 1597 und 1612 vier Liederbücher – auch in der Hoffnung, eine feste Anstellung am Hof Königin Elisabeths I. zu erlangen. Seine politischen und konfessionellen Sympathien waren jedoch seinen Ambitionen hinderlich. Seine Neigung zum Katholizismus ließ ihn vermuten, dass die Königin ihm eine Anstellung verweigerte, weil sie ihn für einen „hartnäckigen Papisten“ hielt. Es ist jedoch nicht minder wahrscheinlich, dass seine Sympathie für den Earl of Essex, den ehemaligen Favoriten der Königin, den sie hatte köpfen lassen, weil sie seiner überdrüssig geworden war, den Ausschlag gab: Als Lautenspieler am Hofe der Königin hätte er eine privilegierte Stellung in der Nähe der Monarchin genossen und deshalb diskret, kooperativ und vor allem loyal sein müssen. Die Vertonung der als Liebesklage nur dünn kaschierten rebellischen Anklage Tage alTer Musik regensburg 5. Juni 2025 Elizabeth Kenny Foto: Bertie Watson 3
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