Tage alTer Musik regensburg Konzert 14 weiß, dass Komponisten wie Luca Marenzio, Giaches de Wert, Orlando di Lasso und Giulio Caccini in den 1580er Jahren am Hofe von Ferrara dieses Sopran-Ensemble hörten und daraufhin ihren Madrigalstil in einen „luxuriösen“ Stil umwandelten, der den Rahmen der Madrigale von Ferrara sogar noch überstieg. Zwei Anthologien von Madrigalen bezeugen das. Beide sind Laura Peverara gewidmet und spielen auf ihren Namen und den Lorbeerkranz an: Il lauro secco und Il lauro verde wurden 1582 bzw. 1583 gedruckt. Erstere wurde von Torquato Tasso und seinen Freunden zusammengestellt, die zweite – anlässlich von Laura Peveraras Hochzeit – stammt von Komponisten aus Rom und Norditalien. Aus dem Hörensagen und durch Spionage entstanden am Hof von Ferrara und in anderen italienischen Städten manieristische Experimente, aus denen sich die seconda pratica entwickelte. Das beeindruckendste Beispiel stammt aus Florenz: 1589 komponiert Marenzio für die musikalischen Intermedien zu La Pellegrina anlässlich der Hochzeit von Ferdinand I. von Medici mit Christine von Lothringen als erstes musikalisches Zwischenspiel ein Belle ne fe natura, das mit schmuckvollen Passagen verziert ist und sein einziges Stück für drei weibliche Sopranstimmen darstellt. 1597 stirbt Alfonso II. ohne Erben. Das Herzogtum Ferrara verliert seine Autonomie und fällt an den Vatikan. Anna Guarini wird 1598 von ihrem Ehemann ermordet und Laura und Livia treten am 16. November 1598 das letzte Mal mit Musik von Luzzaschi auf, als Margarete von Österreich auf der Reise zu ihrer Trauung per Stellvertreter mit Philipp III. von Spanien in Ferrara Station macht. Am folgenden Tag werden vor allemMadrigale von Monteverdi aufgeführt. Der Papst kehrt nach Rom zurück, das musikalische Erbe der Este wird zerschlagen und die „geheimen“ Partituren gehen verloren. Doch jetzt fühlt sich Luzzaschi entbunden von seiner Verpflichtung demHerzog gegenüber und beschließt 1601, als Hommage an seinen ehemaligen Mäzen und an Giambattista Guarini, die Madrigali a uno, due e tre soprani in Rom zu publizieren. Dabei erklärt er im Vorwort, dass diese vorliegenden Werke schon einige Jahre vorher ausdrücklich für das Concerto delle donne geschrieben wurden und dass sie zu singen und zu spielen (per cantare e sonare) seien. Und tatsächlich enthalten die Partituren eine Instrumentalbegleitung, nicht – wie damals üblich für den basso continuo – in Chiffren, sondern in vollständiger Notation. Unser Konzert stützt sich hauptsächlich auf diese Veröffentlichung von 1601 durch Luzzaschi. Es wäre zu einseitig, in ihm einen Komponisten zu sehen, der sich nur auf die Virtuosität des Gesangs mit schmuckvollen Kadenzen bei ausgewählten Textpassagen konzentriert. Er konstruiert ein freies und sinnliches Zwiegespräch, in dem die langgezogene vokale Ornamentierung den einfachen Madrigalstil überschreitet, gleichzeitig aber die Instrumentalbegleitung fast „orchestral“ anmutet, der sich die Vokalstimmen harmonisch beigesellen. Das ist vor allem der Fall in Primavera, mehr noch in Stral pungente. Occhi del pianto mio wiederum ist ein Rückgriff auf die Chromatik und zeigt eine Verbindung zu Carlo Gesualdo, der sich in den 1590er Jahren in Ferrara aufhielt. 12 Madrigali per cantare e sonare (Luzzasco Luzzaschi), 1601 www.tagealtermusik-regensburg.de 115
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