ausgewählte kompositionen von giovanni gabrieli (1557–1612), giovanni Croce (1557–1609), Claudio Monteverdi (1567–1643) und biagio Marini (1594–1663) erweitern den musikalischen rahmen des konzerts und betonen die bedeutung der basilica di san Marco als eines der wichtigsten musikalischen zentren im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert. insbesondere die Praxis der Mehrchörigkeit, die gioseffo zarlino in seinem traktat Le istitutioni harmoniche (1558) theoretisch fundierte, erlangte in san Marco ihren charakteristischen klang und prägte ein unverwechselbares musikalisches idiom, welches die akustischen gegebenheiten des raums optimal nutzte. giovanni gabrieli bringt diese tradition in seiner achtstimmigen Motette Jubilate Deo beispielhaft zur geltung. Das Werk, das ein Jahr nach seinem tod in der sammlung Promptuarium musicum, Pars Tertia veröffentlicht wurde, dokumentiert die technische Meisterschaft gabrielis und vereint die Vertonung der Psalmverse mit einer klanglich und rhythmisch abwechslungsreichen komposition. Die dialogischen Passagen zwischen den Chören, die sich in einem kraftvollen tutti am ende verdichten, verstärken die textliche aussage und verleihen der komposition eine dynamische steigerung. im konzert wird diese Hommage an gabrieli instrumental durch die sechsstimmige Canzon terza ergänzt, die mit ihrer kontrastierenden instrumentalfaktur die Prinzipien der venezianischen Mehrchörigkeit weiterführt. Claudio Monteverdi (1567–1643), der nach giulio Cesare Martinengo die Position des Domkapellmeisters in san Marco übernahm, knüpfte an die von gabrieli geprägte tradition an und führte diese gleichzeitig in eine neue klangliche richtung. Mit Werken wie der 1620 veröffentlichten sechsstimmigen Motette Cantate Domino verbindet Monteverdi polyphone techniken mit einer gesteigerten textausdeutung, die den Übergang von der klanglichen Ästhetik der renaissance zu den expressiveren Mitteln des barock markiert. Das Werk verläuft über weite strecken homophon und dünnt die s echsstimmigkeit immer wieder zugunsten von stimmpaaren aus. Die Worte „mirabilia fecit“, die rhythmisch deutlich langsamer gesungen werden und so einen kontrast zum rest des Psalmtexts bilden, sollen wohl die Wundertaten des Herrn hörbar machen. auch die instrumentalen kompositionen von biagio Marini, Claudio Merulo (1533–1604) und giovanni battista buonamente (um 1595– 1642) bieten einblicke in die innovationskraft venezianischer Musik. besondere aufmerksamkeit verdient buonamentes Sonata à 6 aus seinem sechsten buch Sonate e Canzoni (Venedig, 1636). Die komposition führt die aus der Mehrchörigkeit der venezianischen schule resultierende klangarchitektur fort. Deutliche Wechsel zwischen homophonen und polyphonen Passagen, dialogische abschnitte zwischen den einzelnen stimmen sowie die gelegentliche ausdünnung der textur verdeutlichen buonamentes bemerkenswerten umgang mit klangfarben und erzeugen eine klare räumliche staffelung. Den abschluss bildet giovanni Croces (1557–1609) Buccinate in neomenia tuba („auf und blaset am Fest des neumonds die tuba“), das die tradition der venezianischen Mehrchörigkeit mit geradezu madrigalesken elementen und einer strukturellen eleganz vereint. Die gesteigerte musikalische energie des Werkes gipfelt in einem lebhaften alleluia, in welchem Croce die klangliche Vielfalt der venezianischen Musiktradition mit einer rhythmisch dynamischen ausdruckskraft verbindet. Das eröffnungskonzert der diesjährigen tage alter Musik präsentiert demnach eine eindrucksvolle auswahl sakraler Meisterwerke und zeichnet das facettenreiche bild einer kulturellen blütezeit europas. im regensburger Dom können sich diese Werke in ihrer vollen Wirkung entfalten. Autorin: Angelina Sowa Tage alTer Musik regensburg konzert 1 CD: Regensburger Domspatzen 1050 Jahre Palestrina: Lamentationes Hieremiae Prophetae, 8 vocum; Spartierung von Carl Proske 1837, Titel und erste Partiturseite, Signatur: Pr-M Palestrina VIII/1 21
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