Tage Alter Musik – Programmheft 2025

Tage alTer Musik regensburg Juni 2025 pringen zu lassen, welche man in dem Choro zu der Musik gebrauchen soll“. Die „Psalmi Davidis poenitentiales“ (1548), die bußpsalmen, von lasso wurden dem damaligen regensburger bischof Philipp Wilhelm von bayern, einem sohn Herzogs Wilhelm V., lassos Dienstherr, gewidmet. Mehrere fünfstimmige Messen von lasso wurden ebenfalls dem regensburger Domchor gewidmet. Die anlässlich der königskrönung Ferdinands iii. im Dom (30. Dezember 1636) vom Wiener Hofkapellmeister antonio bertali (1605-1669) komponierte, aber verschollene „Missa ratisbonensis“, die sicherlich nach venezianischem Muster mehrchörig angelegt war, soll von der anwesenden kaiserlichen Hofkapelle unter Mitwirkung der Domschule aufgeführt worden sein. im Jahre 1650 fand eine Diözesansynode im regensburger Dom statt. auf einem kupferstich ist zu sehen, dass für diese aufführungspraxis instrumentalisten im Dom auf der galerie des Hauptchores positioniert waren. am 4. august 1653 wurde eleonora gonzaga von Mantua-nevers im regensburger Dom zur kaiserin gekrönt. Die ansicht anbei zeigt die beteiligung von instrumentalisten. bis in das 19. Jahrhundert hinein bestimmte dann die instrumental begleitete kirchenmusik das repertoire. 1856 wurde die instrumentalkapelle am regensburger Dom aufgelöst. seitdem wurde die gregorianik und die altklassische Vokalpolyphonie des 16. Jahrhunderts im a-cappella-stil, die sog. regensburger tradition, im regensburger Dom etabliert. erst anfang des 20. Jahrhunderts begann der regensburger Domchor, vor allem unter seinem leiter theobald schrems (Domkapellmeister von 1924-1963) sein repertoire zu erweitern. Der Domchor sollte auch außerhalb der kirchlichen liturgie auftreten. so kamen Volkslieder, orchestermessen und oratorien (die Passionen von bach, die oratorien von Mendelssohn, die Messen von bruckner, das Deutsche requiem von brahms u.a.) hinzu und selbst die oper wurde in das standardrepertoire aufgenommen. ab 1930 war dies vor allem die oper Hänsel und gretel von Humperdinck, die über 200 mal aufgeführt wurde, selbst in südamerika (Montevideo, buenos aires, sao Paulo u.a.) und zur Wiedereröffnung des Prinzregententheaters in München 1945. Für theobald schrems war es bei seinen aufführungen von Händels Messias, dem requiem von Mozart u.a. selbstverständlich, die sopran- und altsolopartien, gleichsam historisch getreu, mit seinen knabensolisten zu besetzen. so nimmt es nicht wunder, dass theobald schrems auch gegenüber der historischen aufführungspraxis durchaus aufgeschlossen war. 1954 gründete der Westdeutsche rundfunk köln (WDr) das erste orchester, das auf historischen instrumenten musizierte, die Cappella Coloniensis. schon in den Jahren von 1960 bis 1963 kam es in regensburg zu umfangreichen und aufwändigen rundfunkaufnahmen der Domspatzen mit der Cappella Coloniensis für den WDr. auf dem Programm standen beispielsweise kantaten von bach, die sogenannte Missa romana für 6 solostimmen, zwei fünfstimmige Chöre und zwei orchester von Pergolesi, teile aus den symphoniae sacrae von giovanni gabrieli, die litaniae lauretanae, ave Verum, Venite Populi und weitere Werke von Mozart. Die aufnahmen mit der Cappella Coloniensis für den WDr wurden 1968 mit der Matthäuspassion von bach fortgesetzt. Die zusammenarbeit mit dem WDr setzte sich noch fort mit einer aufnahme der Missa Henrici von H.i.F. biber 1982, die als Co-Produktion mit der Plattenfirma Deutsche Harmonia Mundi entstand, diesmal mit dem ebenfalls auf historischen instrumenten musizierenden Collegium aureum unter georg ratzinger (Domkapellmeister von 1964-1994). 1967 kam es unter der leitung von august Wenzinger, einer der wichtigsten Pioniere der historischen aufführungspraxis, zur ersteinspielung der brockes-Passion von Händel mit seiner schola Cantorum basiliensis-konzertgruppe und den Domspatzen für die archiv Produktion der Deutschen grammophon in regensburg. im Herbst 1967 wurde für den berühmten Film von Jean-Marie straub „Chronik der anna Magdalena bach“, der von der schola Cantorum basiliensis und dem Concentus Musicus Wien unter gustav leonhardt gestaltet wurde, ein sopransolist der Domspatzen eingesetzt. 1968 wünschten sich die Verantwortlichen der archiv Produktionen eine aufnahme der Missa bell‘ amfitrit altera von lasso, jedoch historisch getreu, in historischer aufführungspraxis, also mit instrumenten. Ausschnitt: Mitte Foto: Museen der stadt regensburg g 1979/ 139 Ausschnitt: links Foto: Museen der stadt regensburg g 1979/ 139 Ausschnitt: rechts Foto: Museen der stadt regensburg g 1979/ 139 25

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