VIer FraGen an … hana blažíková Sopran 1. Welche erinnerung haben sie an Ihre erste begegnung mit den TaGen aLTer mUsIK regensburg und was verbinden sie mit dem Festival? als erstes fällt mir ein konzert mit dem Collegium Marianum (Jana semerádová) 2005 ein. Wir spielten barockmusik aus Prag mit arien von sehling, brentner und anderen. Dabei erinnere ich mich an den besuch der instrumentenausstellung, in der ich Photographien bekannter künstler sehen konnte, die vor mir bei diesem Festival gastiert hatten. ich empfand große Hochachtung, als ich einige meiner idole da sehen konnte. ich kann mich auch daran erinnern, dass ich hingerissen war von dem CD-shop und dass ich da viele CDs gekauft habe, die damals in tschechien nur schwer zu bekommen waren. 2. Um jemanden für das „abenteuer“ alte musik zu begeistern, was raten sie ihr/ ihm? Gibt es zum beispiel ein musikstück, das er/sie unbedingt hören sollte? ich würde ihnen einfach raten, sich alles anzuhören, was es in dieser art von Musik gibt. Heute gibt es eine so unglaubliche Palette an Quellen und Möglichkeiten, das zu tun. Mit Youtube oder spotify ist es um so viel leichter, sich jede art von Musik anzuhören, als es vor etwa zwanzig Jahren war. außerdemwürde ich jedem empfehlen, unbedingt den eingangschor zu bachs Matthäus-Passion anzuhören, nicht nur, um ein gespür für dessen kompositorisches genie zu bekommen, sondern auch, um die emotionale Wirkung seiner Musik zu erfahren. und danach sollte man sich ein lied eines troubadours anhören, um dasselbe zu erfahren, nur in einer völlig anderen größenordnung 3. Welches musikstück/welcher Komponist der alten musik findet Ihrer meinung nach im Konzertleben zu wenig beachtung („Geheimtipp“)? Vor kurzem habe ich eine bezaubernde kantate von Johann Valentin Meder gesungen, einem deutschen komponisten aus dem Übergang vom 17. zum 18. Jahrhundert. als ich noch sehr jung war, sang ich diese kantate zum ersten Mal mit sette Voci, einem Vokalensemble von Peter kooij. schon damals habe ich sie geliebt, aber jetzt, zwanzig Jahre später, war ich völlig hin und weg! und nicht nur ich, sondern auch die Musiker, die mit mir zusammen spielten, und ebenso das Publikum! nach dem konzert kamen so viele zuhörer zu mir, um zu sagen, dass sie zutiefst bewegt sind von dieser Musik. ich weiß, dass es noch viele schöne Werke von Meder gibt und hätte gerne, dass sie viel öfter aufgeführt würden. Doch das ist nur ein beispiel von Hunderten von vergessenen komponisten in der gesamten Musikgeschichte. 4. Wie sehen sie die zukunft der alten musik im Konzertleben der nächsten 10 Jahre? in den letzten zehn Jahren oder so habe ich wahrgenommen, dass sich die Musik des Mittelalters, der renaissance und des barocks völlig im gängigen konzertrepertoire etabliert hat. Jedoch muss ich zugeben, dass mir das nicht so ganz passt, da ich gerne dieses alternative Flair erhalten würde, das diese Musik mit sich bringt, und ich es nicht so gerne sähe, wenn sie auf einmal zum „Mainstream“ gehören würde. Für mich ist sie ein aufregender gegensatz zum üblichen opern- und symphonien-repertoire, etwas, das immer noch vom schleier des rätselhaften umhüllt wird und das uns erlaubt, uns in vergangene zeiten hineinzuträumen. Foto: Hanno Meier, 2005 Bernardo Strozzi (1581-1644): Eine Gambenspielerin, ca. 1630, das Gemälde wird für ein Porträt der Komponistin Barbara Strozzi gehalten. (Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlung Dresden) Tage alTer Musik regensburg Juni 2025 32
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