Tage alTer Musik regensburg konzert 5 alfredo bernardini (biografie siehe konzert 15, seite 119) Daniel Deuters beschäftigung mit den adäquaten Mitteln und Manieren der alten Musik mündete in konzerte mit Musikern wie rené Jacobs, Philippe Herreweghe, konrad Junghänel und reinhard goebel und führte ihn durch ganz europa, asien, den mittleren osten und amerika. Daniel Deuter ist Dozent für Violine (kurse für alte Musik in Valtice, Warschau, Michaelstein, zürich) und gefragter konzertmeister auch anderer ensembles wie der neuen Hofkapelle München, la banda (augsburg), Collegium 1704 (Prag), les nouveaux Caractères (lyon) oder der staatsorchester kiel und nürnberg. er ist Mitbegründer der batzdorfer Hofkapelle, die sich seit 1993 bis heute für die erschließung des Dresdner repertoires einsetzt, und gründete 1996 das kölner ensemble Cordarte. seine arbeit allein mit diesen beiden ensembles ist auf über 30 CDs dokumentiert. seit 2013 betreut er eine Violinklasse an der Musikhochschule bydgoszcz, Polen. zum programm: „alles wurde hier musikalisch.“ musik aus der Fürst Thurn und Taxis hofbibliothek regensburg Der Hof der Fürsten von thurn und taxis in regensburg stieg in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu einem der bedeutendsten Musikzentren im deutschsprachigen raum auf. so berichtete der berliner schriftsteller Friedrich nikolai 1781 begeistert: „Der kaiserliche Principal kommissarius, Fürst von thurn und taxis, hat einen prächtigen Hofstaat, und macht hier einen sehr ansehnlichen aufwand, welcher der stadt gewiss zu gute kommt; und regensburg würde diesen aufwand, wenn er nicht da wäre, sehr vermissen.“ Drei Jahre später ergänzt der Musiktheoretiker Christian Friedrich Daniel schubart in seinen Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst: „Dieser glänzende deutsche Hof hat auch in neueren zeiten durch die tonkunst aufsehen gemacht. alles wurde hier musikalisch.“ ursprünglich aus der lombardei kommend, hatte das geschlecht der „tasso“ bereits im 14. Jahrhundert einen kurierdienst in norditalien eingerichtet und in der zeit um 1500 das Monopol der kaiserlichen reichspost übernommen. Die zentrale Verwaltung und steuerung über dieses gesamteuropäische logistikunternehmen der taxis (seit 1650 thurn und taxis) befand sich dann rund 200 Jahre in brüssel, wurde 1701 im zuge des spanischen erbfolgekrieges nach Frankfurt und 1748 schließlich nach regensburg verlagert. Die stadt an der Donau, seit 1663 sitz des immerwährenden reichstages, erhielt durch den einzug der inzwischen in den reichsfürstenstand erhobenen adelsfamilie einen gewaltigen auftrieb, zumal der regierende Fürst alexander Ferdinand von thurn und taxis zum Prinzipalkommissar, also zum direkten Vertreter des kaisers, ernannt wurde. Mit seiner unvorstellbar großen Finanzkraft – der Jahresgewinn des unternehmens thurn und taxis lag 1770 bei etwa 500.000 gulden und durchbrach ende des 18. Jahrhunderts sogar die Millionengrenze – sorgte der im regensburger reichsstift st. emmeram residierende Hof für repräsentativen glanz. Die Musikausübung spielte dabei eine vorrangige rolle: Wie die Forschungen von Christoph Meixner gezeigt haben, erhöhten die Fürsten von thurn und taxis mit den rasant steigenden einnahmen ihres „Postkonzerns“ auch ihren Musiketat. so etablierte sich innerhalb weniger Jahre in regensburg eine ansehnliche Hofkapelle, die um 1790 knapp 40 Musiker stark war und über ein jährliches budget von 33.000 gulden verfügte – eine summe, von der die meisten anderen Höfe in süd- und Mitteldeutschland in dieser zeit nur träumen konnten. angesichts dieser finanziellen Möglichkeiten verwundert es nicht, dass in der zeit zwischen 1760 und 1800 herausragende Musiker an den regensburger Hof verpflichtet wurden. Dazu zählten meist italienischstämmige Hofsängerinnen und -sänger, aber auch überragende instrumentalsolisten. Die leitung der Hofkapelle hatte zunächst Joseph riepel inne, nach seinem tod 1782 übernahm Joseph touchemoulin, seinerseits ein schüler von giuseppe tartini. zweimal wöchentlich fanden bei den thurn und taxis im regelfalle opernaufführungen statt, jeden Donnerstag gab es ein orchesterkonzert für den Hofstaat und die in regensburg weilenden gesandten des reichstages. Hinzu kamen weitere auftritte zu diversen höfischen anlässen. als der schwedische Hofkapellmeister Joseph Martin kraus 1783 regensburg besuchte, konnte er kaum glauben, was er hier an musikalischer aktivität erlebte: „Was alle meine erwartungen übertraf war, dass alle tage meinetwegen bei Hofe konzert angestellt war, wo ich über die Vollkommenheit des orchesters mich nicht genug verwundern konnte.“ eines der prominentesten Mitglieder der damaligen regensburger Hofkapelle war der oboist giovanni Palestrini. geboren und aufgewachsen in Venedig, hatte er schon als junger Mann auf ausgedehnten konzertreisen mit seinen virtuosen Fähigkeiten für aufsehen gesorgt. ein gastspiel Palestrinis in regensburg beeindruckte den Hofstaat mit Fürst alexander Ferdinand von thurn und taxis an der spitze 1772 offensichtlich so nachhaltig, dass der gerade einmal 28-jährige solist sofort für die Hofmusik engagiert und mit einem mehr als fürstlichen grundgehalt von 600 gulden (zuzüglich diverser extraleistungen, wie Wohnung, Verpflegung, kleidung, Feuerholz und bier) ausgestattet wurde. Palestrini nahm das angebot an und blieb der Hofkapelle mehr als drei Jahrzehnte lang als spitzenkraft verbunden. neben seiner tätigkeit als erster oboist im Hoforchester war er auch der kopf einer Harmoniemusik-Formation, also einer aus etwa zehn Musikern bestehenden bläsertruppe, die zu zahlreichen anlässen im stammsitz regensburg sowie in der sommerresidenz trugenhofen aufspielte. noch zu lebDrei klassische Oboen nach Grundmann & Floth, Dresden 1795, Nachbauten von A. Bernardini Foto: Daniel M. Deuter 51
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