Tage Alter Musik – Programmheft 2025

Tage alTer Musik regensburg konzert 5 VIer FraGen an … xenia Löffler Oboe Batzdorfer Hofkapelle 1. Welche erinnerung haben sie an Ihre erste begegnung mit den TaGen aLTer mUsIK regensburg und was verbinden sie mit dem Festival? seit meiner Jugend habe ich die ankündigungen der taM immer mit großem interesse verfolgt und war jedes Jahr aufs neue beeindruckt von der Vielfalt der Programme und internationalität der ensembles mit so vielen namhaften Musikerinnen und Musikern, die beim Festival konzertierten. Dass ich eines tages selber einmal in regensburg auftreten würde, schien mir in meinen Jugendjahren trotz der nähe zu meiner Heimat Franken in weiter Ferne, und so war natürlich die einladung, mit unserem amphion bläseroktett beim Festival dabei zu sein, eine wirklich großartige sache für mich und das ganze ensemble. ich habe es jedesmal, wenn ich beim Festival dabei sein durfte, sei es mit amphion, mit akamus oder der batzdorfer Hofkapelle, immer sehr genossen, teil dieser großen alte-Musik-Familie zu sein, Freunden wiederzubegegnen, neue Menschen zu treffen und diese wunderbare atmosphäre von gleichgesinnten in dem unvergleichlichen ambiente der stadt regensburg zu erleben. 2. Um jemanden für das „abenteuer“ alte musik zu begeistern, was raten sie ihr/ ihm? ich rate, unbedingt ein mehrtägiges alte Musik-Festival an einem schönen ort zu besuchen, am besten natürlich in regensburg. Man hat an solchen tagen die einmalige gelegenheit, tief in die fabelhafte, farbenreiche Welt der alten Musik einzutauchen und die verschiedenen stile, genres, instrumente in ensembles zu erleben, die mit hervorragenden künstlern der szene besetzt sind. besonders ist mir der unmittelbare kontakt zum Publikum präsent, der sich während der konzerte durch ungeheure konzentration und begeisterung ausdrückt, aber auch durch die vielen gespräche, die sich im anschluss an die auftritte ganz selbstverständlich ergeben und die uns Musikerinnen und Musiker immer sehr freuen. ich bin sicher, dass man so einen schnellen und nahen einstieg in unsere Welt erleben kann. Gibt es zum beispiel ein musikstück, das er/sie unbedingt hören sollte? auch wenn es vielleicht abgedroschen klingen mag: das air aus Johann sebastian bachs 3. orchestersuite! es ist ein so universelles stück, das niemanden unberührt lassen kann. Danach Carlo gesualdos 5. Madrigalbuch („itene, o miei sospiri“!) und zu guter letzt ein programmatisches Werk von telemann, zum beispiel seine „Wassermusik“ oder die „Don Quichotte“-suite, natürlich in einer kompromisslosen, die affekte bis ins letzte herausholenden aufnahme mit akamus. 3. Welches musikstück/welcher Komponist der alten musik findet Ihrer meinung nach im Konzertleben zu wenig beachtung („Geheimtipp“)? telemann! 4. Wie sehen sie die zukunft der alten musik im Konzertleben der nächsten 10 Jahre? es freut mich ungemein, dass es nach wie vor so viele junge ensembles gibt, die sich auf höchstem musikalischen und technischen niveau der alten Musik verschrieben haben. zudem erlebe ich es an den verschiedenen stellen meiner beruflichen tätigkeiten, dass die historische aufführungspraxis immer mehr aufmerksamkeit erfährt, sei es bei den kolleg*innen aus den modernen orchestern, den Veranstaltern von konzertreihen und auch im pädagogischen bereich, in meinem Fall an der universität der künste in berlin. Das interesse und die neugierde, sich in diesen teil der Musikgeschichte und deren instrumentarium zu vertiefen, ist da und wächst. Wir müssen nur verantwortungsvoll mit den Früchten der Pionierarbeit jahrzehntelanger, akribischer Forschung umgehen, damit diese weitergeführt wird und die alte Musik nun nicht durch unreflektierte routine und einen repetitiven, willkürlichen umgang mit der Musik ihren ursprünglichen esprit, neues ans licht zu bringen, verliert. ich bin, auch durch das gewachsene und breite interesse, sehr zuversichtlich, dass wir durch den über die digitalen Möglichkeiten unterdessen sehr vereinfachten zugang zu ungehobenen Musikschätzen noch viel an tollem repertoire entdecken werden und hoffentlich dann auch in 10 Jahren und darüber hinaus präsentieren können! in diesem sinne: ich freue mich auf das Jubiläum „50 Jahre taM regensburg“ im Jahr 2035! Foto: Hanno Meier, 2015 wändigen opernproduktionen zuständig. allerdings trug er gleichzeitig auch mit vielen eigenen kompositionen – von kammermusikwerken über konzerte und kirchenmusik bis zur abendfüllenden oper – ganz entscheidend zur Vielfalt des höfischen Musikbetriebs bei. schließlich war es auch Freiherr von schacht, der mit Übersicht und ordnung den grundstein zur noch heute bestehenden Musiksammlung der thurn und taxis gelegt hat. eine rarität der besonderen art stellt sein konzert für drei oboen und orchester dar, dessen ausgesprochen virtuose behandlung der solistischen oboen ein klares zeichen dafür ist, wie hoch das niveau der thurn-und-taxis-kapelle war. Da mit giovanni Palestrini und Franz Hanisch nur zwei oboisten turnusgemäß vor ort waren, muss das stück anlässlich des gastspieles eines dritten oboisten entstanden sein. infrage kommt dafür Friedrich ramm, der als solist im legendären Mannheimer Hoforchester tätig war und gleichzeitig gastspiele in ganz europa absolvierte. 1791 ist quellenmäßig einauftritt von ramm am regensburger Hof dokumentiert, möglicherweise hat theodor von schacht anlässlich dieses ereignisses sein tripelkonzert komponiert, das alle drei oboisten in bestes virtuoses licht stellt. Xenia löffler hat bei der erarbeitung des Werkes ein interessantes Detail entdeckt: am ende der kadenz des 1. satzes findet sich im Part der 3. oboe eine tonleiter, die auf dem dreigestrichenen f endet. Dieser spitzenton – so heißt es – war damals nur von Friedrich ramm spielbar. indem schacht die kadenz der drei soloinstrumente mit diesem ton enden lässt, erweist er dem gastmusiker ramm eine außergewöhnliche reverenz. Die glänzende musikalische Ära der regensburger Hofkapelle wurde 1806 mit dem zusammenbruch des Heiligen römischen reiches Deutscher nation jäh beendet. Die thurn und taxis verloren ihren status als Prinzipalkommissare des kaisers und mussten auch ihre Monopolstellung als Postunternehmen aufgeben. in der direkten konsequenz daraus löste Fürst Carl alexander von thurn und taxis im oktober 1806 den umfangreichen Musikbetrieb am Hof auf. Die meisten künstler, sofern sie nicht mit fürstlichen Pensionen ausgestattet waren, verließen daraufhin die stadt. Die außerordentliche Musikkultur dieses knappen halben Jahrhunderts ist heute nur noch über die bestände der Hofbibliothek rekonstruierbar. Autor: Bernhard Schrammek 53

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