Tage alTer Musik regensburg Juni 2025 Die tage alter Musik regensburg begleitet der bayerische rundfunk seit ihrer gründung, also seit stolzen vier Jahrzehnten. Mich persönlich begleiten sie seit dem Pfingstsamstag 1993. Damals durfte ich auf der empore der Dominikanerkirche als junger redakteur zum ersten Mal die unvergleichliche atmosphäre eines der nachtkonzerte in regensburg erleben. 32 Jahre später und nach dem live-erlebnis von weit mehr als hundert konzerten mit vielen der bedeutendsten ensembles der alten Musik, aber auch mit zahllosen newcomern der szene, ist meine begeisterung für das regensburger Festival ungebrochen. Die tage alter Musik sind längst eines der wichtigsten Festivals für die historisch informierte aufführungspraxis weltweit. gleichzeitig machen es die wunderbaren historischen räume in regensburg zu einem der atmosphärisch sicher schönsten Festivals überhaupt. Die konsequenz und Hartnäckigkeit, der spürsinn und sachverstand, mit denen die künstlerischen leiter über Jahrzehnte hinweg ein gleichbleibend hohes musikalisches niveau bei den tagen alter Musik garantiert haben und weiterhin garantieren werden, sind bewundernswert. entsprechend geht die zahl der konzertmitschnitte, live-Übertragungen und -sendungen durch br-klassik mittlerweile in die hunderte. Diese vielen, vielen stunden haben unser klassikprogramm unendlich bereichert. und umgekehrt waren sie unverzichtbar für die mediale Verbreitung eines Festivals, das diese resonanz wirklich verdient hat. sie geschieht übrigens nicht nur im sendegebiet des bayerischen rundfunks, sondern über die ebu, die european broadcasting union, europa-, ja weltweit. zum 40. Mal finden die tage alter Musik regensburg nun statt, wieder mit einem gewohnt eindrucksvollen Programm. Mögen sie die Menschen noch viele, viele Jahre in ihren bann ziehen und verzaubern. Oswald Beaujean Leiter Programmbereich BR-KLASSIK br-KLassIK begleitet das Festival seit seiner Gründung als ich 2013 meine tätigkeit am institut für Musikwissenschaft der universität regensburg aufnahm, war mir bald klar, dass eine zusammenarbeit mit den tagen alter Musik ergiebig sein könnte. Während meiner zeit ammusikwissenschaftlichen institut der universität leuven (in meiner belgischen Heimat), das intensiv mit dem renommierten Festival van Vlaanderen kooperierte, habe ich festgestellt, wie gewinnbringend der Dialog zwischen Praxis und Wissenschaft sein kann. in einem gespräch mit den organisatoren des regensburger Festivals ludwig Hartman, stephan schmid und Paul Holzgartner ergaben sich schnell verschiedene Möglichkeiten zur kooperation, wir entwickelten ideen und diskutierten über potenzielle Formate. seit nunmehr zwölf Jahren läuft die zusammenarbeit zwischen dem institut für Musikwissenschaft und den tagen alter Musik. Mitglieder des instituts schreiben Programmheftbeiträge und halten konzerteinführungen, studierende haben die Möglichkeit, bei der Durchführung der konzerte zu helfen und so wertvolle Praxiserfahrungen zu machen. Darüber hinaus findet jedes Jahr ein internationales symposiummit Vorträgen und Diskussionen zu einem konzert oder komponisten statt, aktuell zu giovanni Pierluigi da Palestrina. außerdem gibt es eine ausstellung in der bischöflichen zentralbibliothek zu „Palestrina in regensburg – Handschriften und Drucke aus der Proske sammlung“, an der auch studierende der Musikwissenschaft im rahmen eines seminars mitgewirkt haben. Das interesse an den tagen alter Musik ist groß, nicht nur auf regionaler, sondern auch auf internationaler ebene. trotzdem hat das Festival kein riesiges budget, sondern muss sparsam planen und kalkulieren. Diese tatsache (und die unsicherheit, welche die Pandemie mit sich gebracht hat) waren eine wichtige Motivation, weshalb 2021 der Verein „Freunde und Förderer der tage alter Musik regensburg“ ins leben gerufen wurde. Dank stetig wachsender Mitgliederzahlen ist der Verein in der lage, die tage alter Musik zu unterstützen und Projekte zu ermöglichen, die sonst nicht ohne Weiteres machbar wären. es ist für mich erfüllend zu sehen, wie viele Menschen sich dafür einsetzen und so das Festival mitgestalten und dessen Weiterleben garantieren. Jeder, der die tage alter Musik schon einmal besucht hat, kann bezeugen: es herrscht eine ungezwungene atmosphäre, aber gleichzeitig sind die abläufe hochprofessionell. Das Festival bot von anfang an konzerte auf dem allerhöchsten niveau mit international führenden ensembles, die an historisch bedeutsamen orten Musik vomMittelalter bis zur Frühromantik aufführen. Die vielen konzerte, die ich seit anfang meiner „regensburger zeit“ erleben durfte (ein besonderes Faible habe ich für die nachtkonzerte), zeigen, dass die alte Musik-szene keineswegs altmodisch und verstaubt ist, sondern sich im gegenteil ständig weiterentwickelt – genauso wie die tage alter Musik von anfang an nie stillstanden, sondern immer nach neuen Möglichkeiten suchten. Das kann auf vielfältige art und Weise passieren, sei es durch die entdeckung neuer repertoires, das erforschen von aufführungstraditionen und -stilen oder (was ich besonders faszinierend finde) die erkundung von globalen, nicht-europäischen Musikrichtungen. Dieses Weitersuchen nach neuen Horizonten, diese offenheit und diese abenteuerlust wünsche ich den tagen alter Musik und uns für die zukunft. ich freue mich über und auf den fruchtbaren Dialog zwischen Wissenschaft und aufführungspraxis, den austausch mit den organisatoren des Festivals und die begegnung mit besucher:innen, die jedes Jahr wieder nach regensburg kommen. Prof. Dr. Katelijne Schiltz Inhaberin des Lehrstuhls für Musikwissenschaft der Universität Regensburg und Vorsitzende des Vereins Freunde und Förderer der Tage Alter Musik e.V. Dialog zwischen praxis und Wissenschaft 7
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