Tage alTer Musik regensburg konzert 8 sebastian bach, der 1723 köthen für die stelle des thomaskantors in leipzig verlassen hatte. Damit war Fasch über weite strecken seiner amtszeit als „oberhofkapellmeister“ der ranghöchste Musiker der gesamten region anhalt. eine wichtige aufgabe von Fasch in zerbst war die anwerbung neuer, erfahrener Musiker. angesichts des schwierigkeitsgrades seiner kompositionen und der Werke, die er für den Hof erwarb, müssen die dort ansässigen „Capellisten“ (Hofmusiker) hervorragende interpreten gewesen sein. in diesem zusammenhang seien diejenigen Musiker namentlich vorzustellen, welche wahrscheinlich die Musik mit Fasch gespielt haben – insbesondere die festangestellten streicher, Holzbläser und tastenspieler: Faschs erster geiger und später auch konzertmeister war Carl Höckh. er war ein enger Freund des kapellmeisters (und erster lehrer seines in zerbst geborenen komponierenden sohnes Carl Friedrich Christian Fasch), stammte aus siebenbürgen und spielte auch Horn und oboe. Das ist nicht verwunderlich, denn Hofmusiker des 18. Jahrhunderts beherrschten in der regel mehr als ein instrument oder sangen und taten dies auf professionellemniveau. Fasch konnte ebenso auf den geiger Johann georg sattler zurückgreifen, der übrigens auch als Fechtlehrer am Hof beschäftigt war. Johann Vent, der ansässige bratschist, war der örtliche stadtmusiker, der zusammen mit seinen gesellen auf einem turm außerhalb des schlossgeländes auf blechblasinstrumenten (!) spielen musste. Fasch hatte nicht nur einen, sondern gleich zwei fantastische oboisten zur Verfügung – Johann georg Froede und Johann george Christoph (Christian) ritter waren „Multitalente“, die auch auf der Querflöte und der blockflöte brillieren konnten. Das Cembalo hätte vermutlich Christoph Heinicke, der organist der ehemaligen zerbster Hof- und stiftskirche st. bartholomäi gespielt, es sei denn, Fasch hätte seinen kollegen Johann george roellig umHilfe gebeten. roellig komponierte nicht nur und trat schließlich die nachfolge von Fasch als kapellmeister an, er spielte auch Cello und war mit dem ansässigen Fagottisten Johann simon unger eng verbunden, der sein schwiegervater war. Wo im zerbster schloss (abgesehen von der Hofkapelle, die sich imWestflügel befand) mögen im 18. Jahrhundert die oben genannten Personen – und die vielen anderen qualifizierten Musiker, die Fasch zur Verfügung standen, darunter kapellknaben, Hoftrompeter, Hautboisten und weitere stadt- und kirchenmusiker – aufgetreten sein? Quellen verweisen auf die fürstlichen gemächer und eine art Musikzimmer („Concerten-zimmer“). Für besondere anlässe boten einige der schlosssäle ausreichend Platz für ein größeres ensemble – anders als die kleine orangerie im „Herzogin garten“ oder die kleine empore der geräumigen fürstlichen reithalle, die nur einige wenige der Musiker von Fasch aufnehmen konnten. bei Faschs instrumentalmusik werden moderne ohren seinen geschickten einsatz von vielschichtigen texturen, brillanten klangfarbenwechseln und seinen zweifellos spannenden umgang mit harmonischen Verläufen zu würdigen wissen. in seinen Memoiren betonte der 69-jährige Fasch, sein erstes musikalisches idol sei kein geringerer als telemann gewesen: als Jugendlicher, der sich in der thomasschule in komposition versuchte, waren es „aus meines Zerbster Concert-Stube, Inventarverzeichnis, Titelseite 1643 kloster Michaelstein - kulturstiftung sachsen-anhalt Zerbster Concert-Stube, Ouverturen di Fasch kloster Michaelstein - kulturstiftung sachsen-anhalt 75
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