Tage Alter Musik – Programmheft 2025

Tage alTer Musik regensburg konzert 9 fektioniert und zu seinem Höhepunkt geführt hat: der ensalada. Flecha wurde in Prades in der Povinz tarragona geboren und war ab 1523 zunächst leitender Musikdirektor an der kathedrale von lérida, drei Jahre später in Valencia, eine stellung, die er bis 1530 beibehielt. 1536 trat er an der kathedrale in sigüenza als Musikdirektor auf, kehrte aber anfang 1539 wieder nach Valencia zurück. nach dem tod isabellas von Portugal, der gemahlin kaiser karls V., imMai 1539 bezogen deren töchter, die infantinnen Maria und Juana, zunächst den Palast von avila, später den Herzogspalast von guadalajara, immer begleitet von der kapelle, die früher die gebetsstunden für die kaiserin musikalisch umrahmt hatte. schon bald leitete Flecha dieses orchester, vermutlich bis ende 1548, als die infantin Maria den erzherzog Maximilian von Österreich heiratete. etwa fünf Jahre später dürfte er wohl im zisterzienserkloster von Poblet (tarragona) gestorben sein. Wie alle kapellmeister seiner zeit muss auch Mateo Flecha ein bedeutendes repertoire geistlicher Musik komponiert haben, doch ist davon lediglich ein Miserere erhalten. er schrieb auch typische villancicos, wie sie die kapellmeister seit dem ende des 15. Jahrhunderts als Weihnachtslieder verfassten. Doch auch von diesen ist nur ein einziges (gloria in excelsis Deo) erhalten, in dem der einfluss von Juan del encina, einem der Pioniere des genres, deutlich erkennbar ist. Mehr ist von den weltlichen villancicos erhalten geblieben: acht vollständig, die eine Hälfte davon im Cancionero de Barcelona, der auch das gloria in excelsis enthält (bibl. De Cataluňa, Ms 454), die andere im Cancionero de Uppsala, einem 1556 in Venedig als Druck herausgegebenen band, dessen inhalt mit dem Hof der Herzöge von kalabrien in Valencia in Verbindung gebracht wird. Die von so berühmten Vihuelaspielern am spanischen Hof, wie z. b. Miguel de Fuenllana oder enriquez de Valderrábano, verfassten bearbeitungen bezeugen den ruhm eines komponisten, der sich an einem bestimmten Punkt seiner laufbahn dafür entschied, ein neues musikalisches genre als alternative zu den Weihnachtsliedern anzugehen. Das erste Mal schriftlich belegt ist die bezeichnung ensalada in ihrem poetischmusikalischen sinn in demWerk Auto da Fé (glaubensbekenntnis) des Portugiesen gil Vicente, das zum ersten Mal amMorgen des 1. Weihnachtsfeiertags 1510 am portugiesischen Hof aufgeführt wurde. anstelle des traditionellen villancicos, mit dem diese aufführungsform üblicherweise schloss, endet dieses „auto“ mit einer „hûa ensalada que veio de França“ (einem gemischten salat aus Frankreich), einem lied für vier stimmen, das der autor nicht selbst geschrieben hatte. zwei Jahre später beendete Vicente ein anderes seiner stücke, die Farça dos Físicos, wieder mit einer ensalada. Dieses Mal stammt der text nachweislich von ihm, die noten dazu gingen allerdings verloren. Los Chistes, die älteste von Flechas ensaladas, datiert um 1525. ihr Muster und das der ensalada von Vicente entspricht der Definition von Díaz rengifo in seiner Arte Poética Espagñola (salamanca, 1592): „[…] komposition von liedern mit einem refrain, in der die verschiedensten Metren und sprachen – nicht nur spanisch – ohne jede regelmäßigkeit oder abfolge, allein nach dem gutdünken des autors gemischt sind; und entsprechend der abwechslung im Titelseite Las Ensaladas 79

RkJQdWJsaXNoZXIy OTM2NTI=