Tage alTer Musik regensburg Juni 2025 außenansichten Freitag vor Pfingsten. Für die Domspatzen der große auftritt bei den tagen alter Musik in regensburg. bereits große emotionen bei den Proben mit dem orchester und staunen über das große können der großartigen instrumentalisten und der gesangssolisten. Für alle sänger der Domspatzen mit ihrem Chef das staunen und Freuen über große Musik in so hoher Qualität. „Männer, nun gilt es, wir haben gut geprobt und brauchen keine angst zu haben, dass etwas nicht klappt; lasst euch in die Musik hineinfallen, gebt euer bestes. ihr schafft mit eurem klang etwas ganz besonderes.“ Die ansage des br läuft schon, auftritt, begrüßungsapplaus; jetzt nur noch große innere Freude und genuss. Die tage alter Musik in regensburg haben begonnen. Roland Büchner Emeritierter Domkapellmeister beim blick in die dankenswerterweise online archivierten Programme der letzten 40 Jahre könnte man allzu leicht in nostalgischselbstbezogenes schwärmen geraten: Die tage alter Musik haben mir als jungem regensurger Musikhörer und ab ende der 1990er Jahre als kritiker musikalische schlüsselerlebnisse beschert – ohrenöffner für neuentdeckungen aus den tiefen der Jahrhunderte und für frische Herangehensweisen an vermeintlichaltbekanntes. eine euphorische aufzählung möge der geneigten leserschaft an dieser stelle erspart bleiben. Dafür aber um so herzlicher: Danke stephan schmid, ludwig Hartmann und Paul Holzgartner für das Möglichmachen dieser bereichernden erfahrungen! nach 40 Jahren stellt sich indes nicht nur für die tage alter Musik, sondern für die szene insgesamt die Frage: Hat die Historische aufführungspraxis ihr ziel nicht längst erreicht? Haben sich ihre erkenntnisse in sachen spieltechnik und stilempfinden nicht schon so weit durchgesetzt, dass sie sich überflüssig gemacht hat? Für bestimmte epochen mag das ein stück weit gelten und dazu geführt haben, dass manches spezialensemble – aus gründen der Distinktion vom neuen, selbst mitverantworteten Mainstream – sein Heil in exzessiver tempoverschärfung, maximaler schroffheit der klanggebung und kleinstmöglicher besetzungsstärke bzw. -schwäche sucht. im besten Falle aber sorgen die große bandbreite an interpretatorischenansätzen, das durch die akademische ausbildung enorm gestiegene spielniveau und der spürsinn für immer entlegenere repertoire-nischen dafür, dass originalitätsfallen gemieden und routinegefahren gemeistert werden. Dass dieser beste Fall auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten immer wieder in regensburg eintreten möge, das wünsche ich den tagen alter Musik mit ihren Verantwortlichen und Helfern von ganzem Herzen. bleibt so, wie ihr seid! Dr. Juan Martin Koch Dramaturg Konzerthaus Blaibach und Musikjournalist immer, wenn die rede auf und die erinnerung an regensburg kommt und die für mein Hirn untrennbar damit verbundenen, weil immer gern und oft besuchten tage alter Musik und die noch untrennbarer mit ihnen verbandelten musiksüchtigen teamanführer stephan schmid und ludwig Hartmann, dann muss ich an die businen denken. Von denen hatte ich bis zu einem spätnächtlichen konzert in der Minoritenkirche noch nie gehört und sie selbst natürlich erst recht nicht, aber sie machten aus mehrerlei gründen tiefsten eindruck auf mich. businen, sie haben möglicherweise einen orientalischen Migrationshintergrund, sind trompeten, die keinerlei rückgratverkrümmung aufweisen, weil sie wie alphörner gefühlte Meter lang sind und steil in die Höhe gestellt gespielt werden, um dann einen zukunftsträchtigen Weckruf zu erzeugen, der mühelos jeden raum erfüllt und zum leuchten bringt – die späteren, handelsüblichen trompeten sind vielfältig gefaltet, sie fügen sich - wenn nicht kleinlaut, aber angepasst - pragmatisch in jedes ensemble ein, sie gefährden dort niemanden und sind auch nie davon bedroht, plötzlich abzuknicken. nun ähnelt das Duo Hartmann & schmid sichtbar durchaus keinem businenpaar, doch ihr oldschoolmusicfestival erweck(ruf)t den gleichen eindruck wie die Mittelaltertrompeten. giuseppe Verdi hat einmal in etwa gesagt (der geneigte leser möge das originalzitat aus dem internet herausfischen), dass ein schritt zurück Fortschritt ermögliche. genauso sind die tage ein schritt zurück und ermöglichen vielerlei Fortschritte: 1. ein Festival mit menschlichem antlitz (man sehe nur in die gespannten gesichter der zuhörenden, die konzentriert neugierig Dinge hören, von denen sie nie gehört haben und die sie oft nie wieder hören werden. Was für eine aufgeschlossenheit dem anderen, dem Fremden, dem sich entwickelnden gegenüber! Dieses auditorium ist die blaupause für eine aufgeschlossene gesellschaft, die ihren eigenen lebensstil nicht zum absoluten Maßstab aller Dinge macht.) 2. ein kontrapunkt zum gängigen, auf brillanz und Überwältigung getrimmten Musikalltag, der zunehmend und nicht nur durch die derzeit eine besonders querständige tarantella aufführende berliner antikulturpolitik in bedrängnis gebracht wird. 3. ein riesiges Vergnügen (natürlich erfreut es jedes Musicolog(inn)en-Herz, mal eine busine live zu hören oder die anzüglichkeiten in „Watkinson’s ale“. Da aber, leider (?), der großteil der Menschen keine Musicolog(inn)en sind und selbst diese ein Herz haben – stopp!!!, der text muss jetzt hier enden, weil der Hartmann ludwig höchstens 2400 zeichen bestellt hat, und wer wollte dem Donnerwort eines mit businen lockenden antimusikmanagers zuwiderhandeln, auch wenn der leser versichert sei, dass sich die begonnene liste mühelos bis zum 111. eintrag fortsetzen ließe (schließlich darf beethoven selbst in regensburg nicht fehlen)… Reinhard J. Brembeck Redakteur Süddeutsche Zeitung 8
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