Tage alTer Musik regensburg konzert 9 text ändert sich auch die Musik“. Wenn sich Vicente einige frühe beispiele des fricassée zum Vorbild genommen hatte, einer art Quodlibet, das im 16. Jahrhundert in Frankreich in Mode war, dann muss er das genre umbenannt haben. elf ensaladas für vier oder fünf stimmen von Mateo Flecha sind erhalten. Vier davon sind nur als Manuskripte erhalten. Der 1581 in Prag im Haus des theologen georg nigrinus gedruckte band Las Ensaladas enthält die anderen sieben, außerdem zwei neukompositionen seines neffen Mateo Flecha dem Jüngeren, dem kaplan der kaiserWitwe Maria de austria, die mit ihrem gefolge auf dem Weg zu ihrem alterssitz in spanien auch in Prag zwischenstation machte. Den anfang der Druckausgabe bilden die ensaladas El Fuego (Das Feuer) und (aus keinem speziellen grund) La Bomba (Die Pumpe). zusammen mit La Guerra (Der krieg) und La Justa (Der Wettkampf) bilden sie die gruppe der ensaladas, in denen sich die anlehnung an den stil von Clément Janequin am deutlichsten zeigt. La Guerra gehört wohl mit zu Flechas ausgereiftesten Werken. nach dem Vorbild von Janequins La Guerre geschrieben, geht es dabei um den kampf des Menschen gegen die sünde, und obwohl der stoff sakral ist, symbolisieren die Figuren Christus und beelzebub wahrscheinlich karl V. beziehungsweise sultan suleiman i. den Prächtigen. Wenn dem so ist, muss diese ensalada kurz nach der belagerung Wiens durch die osmanen (oktober 1529) verfasst worden sein, die der kaiserkrönung karls V. vorausging. Wenige Jahre später kehrten die osmanen zu den toren Wiens zurück, mussten jedoch vor den kaiserlichen truppen weichen, die im september 1532 in die stadt einzogen. auf dieses ereignis von zweifellos enormer auswirkung auf die politische zukunft europas spielt die ensalada La Justa allegorisch an. Darin tritt luzifer (suleiman) gegen adam (erzherzog Ferdinand von Österreich, der bruder karls V.) in einem zweikampf an und besiegt diesen, bevor er wiederum von Christus besiegt wird. Die ensalada, die mit dem beginn von La Guerra anfängt, enthält nicht weniger als dreizehn zitate aus dem spanischen profanen und liturgischen repertoire, darunter auch die Melodie der romanze „Que tocan alarma, Juana!“ (Juana, sie schlagen alarm!), die 1529 die nachricht von der erhebung gegen die belagerung Wiens verbreitete. Diese Weise taucht auch in der ensalada El Toro wieder auf, in der sich erneut Christus und luzifer gegenüberstehen und von der nur eine einzige abschrift als Manuskript existiert (Palma de Mallorca, Fundaciòn b. March, Ms 6832). in dieser komposition entsteht durch die große anzahl der solopassagen und der Vorherrschaft anderer homophoner Passagen der eindruck einer gewissen Hast, als sollten sie sich von denen mit imitativem aufbau abheben. karls V. aufenthalt in der residenz des Herzogs und der Herzogin von infantado im Januar 1534 auf seiner rückkehr aus Wien und auf der suche nach Verstärkung für seinen kampf gegen die türkische Flotte könnte ein Motiv gewesen sein für diese ensalada, die bis heute nie aufgeführt wurde. Jahre zuvor hatte könig Franz i. von Frankreich, nachdem er bei der schlacht von Pavia (24. Februar 1525) in die gefangenschaft des kaisers geraten war, auf seinemWeg nach Madrid in derselben residenz eine nacht verbracht. El Jubilate, eine andere ensalada Flechas in dem oben erwähnten Manuskript, spielt mit den Worten „Poltron François“ (Feigling François) ironisch auf diese niederlage des königs an. Während El Fuego in stil und thematik, die um sünde und die gestalt der Jungfrau Maria kreist, zu den ensaladas einer früheren El Fuego, zweite Seite Sopranstimme El Fuego, erste Seite Sopranstimme Las Ensaladas, Inhaltsverzeichnis 81
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