Tage alTer Musik regensburg Juni 2025 Das würde auch die reichweite deutlich erhöhen und neugierig auf eine mögliche Folgeausgabe machen. nach der loreley wandte man sich in bingen der Musik Hildegards zu, deren Wiederentdeckung außerhalb ihres eigenen klosters in den Weinbergen am rhein gerade erst begonnen hatte. in Frankfurt am Main wurde der traditionelle Musikbetrieb mit einem augenzwinkern als „Mainstream“ bzw. „allgemaingut“ bezeichnet. Die alte Musik war weit davon entfernt, dazuzugehören. Der standort der Deutschen bundesbank wies zudem schmerzlich auf eine schwachstelle des Projekts hin: Wie sollten sie - als Privatinitiative - ihre Pläne finanzieren können? steht das W in Projekt W vielleicht für Wagnis? Die Müdigkeit drohte gelegentlich über das adrenalin zu siegen, aber immer wieder flammte das Feuer auf und neue ideen wurden lanciert und abgewogen. in nürnberg gab die renommierte instrumentenabteilung des germanischen nationalmuseums den anstoß, das Projekt um eine ausstellung zu erweitern. in der erwartung, dass ein teil des konzertpublikums selbst musiziert und beim sehen, Hören und ausprobieren zum kauf von kopien historischer instrumente angeregt werden könnte und von noten, ob als Faksimile oder nicht. schließlich war die neugierde die grundlage für die suche nach der historischen aufführungspraxis. ich habe die originalnotizen dieser historischen nachtreise nie gesehen, aber zahlreiche andere aspekte müssen diskutiert worden sein, bevor am frühen Morgen die regensburger Domtürme auftauchten und der Heimathafen erreicht war. Der austria-express fuhr weiter nach Wien; eine aufgabe, deren größe und umfang sie noch nicht erahnen konnten, wartete auf ludwig und stephan. Mit den tagen alter Musik 1984 konnte das Projekt zwei Jahre später endlich aus der taufe gehoben werden, das Märchen erlebt in diesem Jahr seine 40. (!) auflage. in der schönen Domstadt an der Donau ging ein traum in erfüllung. zwischen 1986 und heute bin ich 20 Mal mit dem zug die strecke utrecht-regensburg gefahren und konnte die Hälfte der 39 Festivals erleben. immer wieder wurde mir klar, dass hier in regensburg etwas sehr Wertvolles entstand. Wenn überhaupt, dann gilt hier an der Donau: gutta cavat lapidem, non vi sed saepe cadendo (Der tropfen höhlt den stein nicht durch kraft, sondern durch stetes Fallen). Die Hartnäckigkeit der initiatoren (und die Überzeugungskraft der vielen eingeladenen Musiker) hat ein neues Publikum für alte Musik geschaffen. inzwischen ist „regensburg“ seit Jahren eine feste größe auf der weltweiten Festivallandkarte. Die tatsache, dass „utrecht“ eine bescheidene rolle bei der entstehung des Projekts Wagnis spielen durfte, macht mich bei jedem besuch sehr glücklich. Wagnis, Wahnsinn oder Wut, alle möglichen bedeutungen und emotionen des W haben bestanden und überlebt. regelmäßig höre ich das Prädikat „wunderbar“ als kommentar, so dass mir die einzig passende erklärung erscheint: Projekt W ist natürlich Projekt Wunderbar! ich wünsche „regensburg“ eine wunderbare und glorreiche Fortsetzung! Jan Nuchelmans Ehemaliger Leiter Festival Oude Muziek Utrecht Vier Jahrzehnte ein und dasselbe Festival gestalten und dann noch mit alter Musik – das ist doch langweilig; oder? Da wäre etwas Wahres dran, gäbe es nicht ein „trio“ besonderer Couleur: Hartmann, schmid & Holzgartner. sie verwalten ihre Veranstaltungen nur im nebenfach, im Hauptfach sind sie unverbesserliche Musikenthusiasten, und zwar von kindesbeinen an. Dementsprechend ähnelt die alljährliche Programmgestaltung einem streifzug durch den Dschungel, immer auf der suche nach noch unentdeckten spezies. als ich anfang der 90er Jahre die taM kennen lernte, haben mich gleich mehrere Facetten begeistert: zum einen gab es Programme, die speziell für das regensburger Festival entwickelt wurden, ergo nicht die typischen tournee-Programme, die man wieder und wieder in diversen deutschen städten erleben kann. und dann traten ensembles auf, die teilweise noch wenig bis gar nicht bekannt waren – das gottvertrauen muss man als Veranstalter erst einmal haben! in regensburg ging dieses konzept auf. Der Mut zum risiko mitsamt einer prinzipiellen ehrfurcht vor der künstlerschaft hat das „trio“ niemals verlassen, die routine erhielt nie eine Dominanz über die Programmplanung. Das hat dem Publikum zahllose großartige erlebnisse beschert. so routiniert die abwicklung der Festivals (u.a. mit zahllosen freiwilligen Helfern) ablief, so verwegen hat man Jahr für Jahr immer neue akzente gesetzt, immer andere Programmideen entwickelt. als ich dienstlich mit den taM in kontakt kam (als redakteurin für alte Musik beim DlF kultur), fiel es mir leicht, „autochthone“ konzertprogramme ausfindig zu machen. so war DlF kultur der erste sender, der live ein konzert von den taM regensburg übertrug, überdies noch deutschlandweit. und noch ein weiterer aspekt nahm mich für das Festival ein: Wie auch beim utrechter alte Musik Festival pflegte man in regensburg einen schlichten und völlig alltäglichen umgang zwischen Veranstalter, künstler und Publikum. statt anzüge, sakkos, geschniegelte und überaus ‚wichtige‘ Menschen sah man beispielsweise schwarze Jeansjacke, Jesuslatschen, zopf und alltagspulli. Das „trio“ stand in den konzerten meistens ganz hinten in der nähe des eingangs; manchmal durfte man sogar schnell mal ohne karte irgendwo kurz „hineinschnuppern“. eigentlich war in regensburg eher der niederländische (als der typisch westdeutsche) Habitus zuhause, ich empfand das als angenehm. und es schien mir, als ob künstler und Publikum das gleichfalls goutierten. nach langen Jahren des ringens um eine finanzielle grundausstattung und um landesweite reputation ist es den taM inzwischen erfolgreich gelungen, überregional und international einen festen Platz unter den herausragenden Festivals einzunehmen. Dem „trio“ und seiner innovativen Durchhaltekraft sei Dank. Weiter so! Bettina Schmidt Musikwissenschaftlerin und Redakteurin beim DLF Kultur bis Ende 2022 IMPRESSUM Eine Veranstaltung von PRO MUSICA ANTIQUA in Zusammenarbeit mit und gefördert durch die STADT REGENSBURG / Kulturreferat PLANUNG UND KONZEPTION: PRO MUSICA ANTIQUA (Stephan Schmid, Ludwig Hartmann) GESCHÄFTSLEITUNG: Paul Holzgartner HERAUSGEBER: TAGE ALTER MUSIK REGENSBURG (Stephan Schmid, Ludwig Hartmann) Postfach 10 09 03 D–93009 Regensburg E-Mail: TageAlterMusik@t-online.de www.tagealtermusik-regensburg.de REDAKTION: Ludwig Hartmann, Stephan Schmid, Paul Holzgartner REDAKTIONSSCHLUSS: 25. April 2025 LEKTORAT: Christina Bergmann, Dr. Hannsjörg Bergmann HINTERGRUNDBILD TITELSEITE: Museen der Stadt Regensburg, Historisches Museum; Foto: Michael Preischl SATZ & LAYOUT: DTP-Studio DENZL, www.dtpd.com 11
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