Tage Alter Musik – Programmheft 2026

leitete Serbin das Orchester „Pratum Integrum“, mit dem er 2006 die Deutschlandpremiere des Orchesters in Regensburg bei den TAM feierte. Polina Gorshkova lebt als freischaffende Flötistin in Köln. Sie wurde in St. Petersburg geboren und studierte Querflöte an der Detmolder Musikhochschule bei Horst Kreidler und der Robert-SchumannHochschule Düsseldorf bei Prof. André Sebald. Danach folgte noch ein MasterstudiumAlte Musik an der Hochschule für Künste Bremen bei Marten Root. Sie tritt regelmäßig mit verschiedenen Barockorchestern und Ensembles auf, u.a. mit dem Concerto Brandenburg, Barockwerk Hamburg, Elbipolis Barockorchester Hamburg, Concerto Bremen, „La festa musicale“ Hannover und Kölner Akademie. zum Programm: eine lebenslange reise Die Reisen und Schicksale von Musiker-Migranten im 18. Jahrhundert stehen imMittelpunkt unseres Konzertprogramms. Die Musik wird uns wie eine virtuelle Zeitmaschine in die Zeit zurückversetzen, als es den Begriff „Kulturaustausch“ noch nicht gab, aber der Austausch von Musikern und sogar ganzen Kapellen innerhalb Europas und zwischen europäischen Hauptstädten und dem Kaiserreich Russland in vollem Gange war. Im Gegensatz zu heute wollte Russland sich seit der Zeit Peters des Großen (1672–1725) in die Familie der aufgeklärten Monarchien einreihen und eine durch und durch europäische nation werden. Folglich bemühte sich der Petersburger Hof, die besten Komponisten, virtuosen Instrumentalisten und Sänger zu gewinnen, die besten Opernhäuser zu bauen und einen eigenen Musikstil zu entwickeln. Viele begabte Musiker aus den deutschsprachigen Ländern wagten die Reise in ein fernes Land, auch wenn der Anreiz nicht selten die Aussicht auf ein gutes Gehalt war. Doch am neuen Ort angekommen, haben die Komponisten unseres Programms versucht, sich in die dortige Kulturlandschaft zu integrieren. Als Vertreter des klassischen europäischen Stils standen sie als Komponisten und Interpreten in wechselseitigem musikalischen Austausch mit den einheimischen russischen Musikern. Joseph Michael Starzer (1728-1787) hat von 1759 bis 1767 in Russland gearbeitet. Starzers bevorzugtes Genre war Musik zu Balletten, von denen er anderthalb Dutzend speziell für St. Petersburg und Moskau schrieb. In unserem Programm steht der in seiner künstlerischen Qualität herausragende Sturm aus dem Ballett Le Triomphe du Printemps, ou La Victoire de Flore sur Borée (1760), der in der stilistischen Tradition von Christoph Willibald Glucks Opernstil steht. Das Ballett Le Triomphe du Printemps von Starzer wurde von Denis Lomtev im Archiv von Česky Krumlov entdeckt und erst 2001 als Partitur veröffentlicht. Das Schicksal von Johann Joseph Kerzelli (1752-1820) verlief anders. Er wurde von seinem Vater, demWiener Kapellmeister, Komponisten und Organisten Franz Xavier Körzl, als 13-Jähriger nach Moskau gebracht, erhielt in der Familie eine brillante musikalische Ausbildung und wurde zu einem der führenden Kapellmeister und Opernkomponisten amMoskauer Maddox-Theater. nach eigenem Bekunden brachte Kerzelli „die russische Oper auf die Bühne“, d.h. er war der Erste, der Opern über russische Texte und Themen komponierte und versuchte, einen nationalen Stil zu entwickeln. Dazu gehört auch die populäre Oper Derevenskoj Vorozheya (Dorfzauber, 1778), deren dramatische Ouvertüre in unserem Programm zu hören ist. Tage alTer Musik regensburg Konzert 17 Pavel Serbin und Olga Martynova (Cembalo) mit Pratum Integrum 2006 bei den TAM in der Dreieinigkeitskirche Foto: Hanno Meier RÜCK 2006 BLICK Polina Gorchkova, Traversflöte und Leitung Foto: Altera Pars Pavel Serbin, Violoncello und Leitung Foto: Oleg Beljaev 111

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