Tage Alter Musik – Programmheft 2026

Tage alTer Musik regensburg Mai 2026 einführung Seit 1895 ist Hans Memlings imposantes Tafelbild Gott Vater umgeben von musizierenden Engeln Teil der Sammlung des Antwerpener Koninklijk Museum voor Schone Kunsten. ursprünglich für das nordspanische Kloster Santa Maria Real de nájera angefertigt, wurde das 165 × 672 cm große Retabel zwischen 2001 bis 2017 aufwändig restauriert und ist jetzt wieder in all seiner Farbenpracht zu bestaunen. Den Auftrag zu diesem Projekt erhielt Hans Memling im Jahr 1483 vermutlich über spanische Kaufleute in Brügge, wo der deutsche Maler seit 1465 lebte. Wir wissen, dass das Retabel Teil eines größeren Polyptychons war, in dessen Mittelpunkt die Himmelfahrt Mariä stand. Bis auf Gott Vater umgeben von musizierenden Engeln, das im oberen Register platziert werden sollte, sind alle weiteren Teile verloren gegangen. Das erhaltene Triptychon zeigt ein himmlisches Konzert, bei dem Gott Vater von sechzehn musizierenden Engeln umgeben ist: sechs singen aus einem Chorbuch, während die anderen zehn Instrumente spielen: Psalterium, Laute, Harfe, Portativ, Schalmei usw. Das hat Wim Becu, den Leiter des belgischen Ensembles Oltremontano Antwerpen, dazu inspiriert, mit dem Centrum voor Muziekinstrumentenbouw Kontakt aufzunehmen und die Tasten-, Zupf-, Streich- und Blasinstrumente auf Memlings Engelskonzert rekonstruieren zu lassen – ein aufwändiger Prozess, der nicht nur viel Experimentieren mit sich brachte, sondern auch von der Lektüre damaliger Traktate begleitet wurde. Die Instrumente werden nicht nur beim Konzert am 23. Mai zu hören und zu sehen sein, sondern einige von ihnen werden während des Symposiums von den Musiker:innen vorgeführt und mit Fragen der Aufführungspraxis und der Spieltechnik verknüpft. Barborá Kabatková, die Leiterin des Ensembles Tiburtina, wird auf die vokalen Stücke im Konzertprogramm eingehen: von gregorianischen Melodien aus Brügger Choralhandschriften über mehrstimmige Hymnen bis hin zu isorhyhtmischen Motetten. Im Symposium kommen die Musiker:innen ins Gespräch mit Musikwissenschaftler:innen und Kunsthistoriker:innen. Was bedeutet es, ein solch geschichtsträchtiges Werk zu restaurieren? Welchen Stellenwert nimmt Gott Vater umgeben von musizierenden Engeln im Kontext von Memlings Schaffen ein? Wie lässt sich das abgebildete Himmelskonzert mit der Musik des 15. Jahrhunderts und ihremAufführungskontext verbinden? und nicht zuletzt: warum machen Engel Musik? Der eintritt zur tagung ist frei, interessierte zuhörerinnen und zuhörer sind herzlich willkommen. Konzert Samstag, 23. Mai 2026, 22.45 Uhr Dominikanerkirche St. Blasius Konzert Paradisi Porte – Pforte zum Paradies – Hans Memlings Engelskonzert (um 1490) tiburtina ensemble (tschechien) & oltremontano Antwerpen (belgien) Leitung: Wim Becu & Barbora Kabátková Siehe Seite 54 Internationales Symposium in Kooperation mit dem Institut für Musikwissenschaft der Universität regensburg HAnS MeMLInGS enGeLSKonzert: reStAUrIerUnG, InStrUMentArIUM, rePertoIre Freitag, 22. Mai 2026, bonhoeffersaal, evangelisches bildungswerk regensburg e.V., Am Ölberg 2, direkt gegenüber dem Haupteingang der Dreieinigkeitskirche Organisation: Prof. Dr. Katelijne Schiltz (universität Regensburg) Programm 9:30–10:00 Ludwig Hartmann (Tage Alter Musik): Begrüßung Prof. Dr. Katelijne Schiltz (Universität Regensburg): Engelsmusik – oder: wie, was und warum musizieren Engel? 10:00–10:45 Dr. Elsje Janssen (ehemalige Direktorin des Koninklijk Museum voor Schone Kunsten Antwerpen): The Metamorphosis of a Memling Masterpiece: the Painstaking Restoration of God the Father with Singing and Music-Making Angels 10:45–11:15 Kaffeepause 11:15–12:00 Wim Becu, Katerina Ghannudi und Vojtěch Jakl (Oltremontano Antwerpen): The Instruments on Memling’s Triptych: From Reconstruction to Sound 12:00–13:30 Mittagspause 13:30–14:15 Barbora Kabátková (Ensemble Tiburtina): Paradisi Porte – „From Panel to Performance“: Tracing Repertory and Practice through Memling’s Altarpiece 14:15–15:00 Prof. Dr. Jochen Hermann Vennebusch (Universität Greifswald): „Ihr werdet meine Zeugen sein“ – Konstruktionen visueller Unmittelbarkeit im Werk Hans Memlings 15:00–15:30 Kaffeepause 15:30–16:15 Prof. Dr. Wolfgang Fuhrmann (Universität Leipzig): Eng(e)lische Klänge in der Musik des 15. Jahrhunderts 125

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