binationen war es Freddi möglich, eine Vielfalt von Strukturen und Klangfarben zu erzeugen, die – ähnlich wie bei der Mehrchörigkeit – die Illusion eines wesentlich größeren Ensembles hervorrief. Freddis Psalmenvertonungen, die wir für dieses Konzert ausgewählt haben, basieren auf relativ schlichten, einstimmigen gregorianischen Melodien und sind deshalb besonders für Abendandachten zu Ehren der Jungfrau Maria geeignet. Wie Monteverdis Vertonungen, die 1610 bei Ricciardo Amadino erschienen sind, halten sie sich nicht an die Vorgaben für große Marienfeste im Kirchenjahr und lassen den Schluss zu, dass sie eher für den Alltag bestimmt waren. um die Reihe der Marienlieder zu ergänzen, nahmen wir die Hymne Ave, maris stella aus Hinni novi concertate hinzu, die teilweise rekonstruiert ist, da nicht alle Stimmbücher vollständig erhalten sind. Freddi hat die Vertonung seines eröffnenden Versikels (Part des Vorsängers) und des darauf antwortenden Responsoriums (Chor) nicht niedergeschrieben, vielleicht ist sie auch nur nicht erhalten, und so entnehmen wir das Domine, ad adiuvandum den Psalmi boscarecci von Ignazio Donati. Die Kompositionen dieser außergewöhnlichen Sammlung sind so geschrieben, dass sie auf viele verschiedene Arten aufgeführt werden können. Diese Flexibilität ermöglichte uns, die Instrumental- und Vokalstimmen so zusammenzustellen, wie es auch für die Aufführung der Vespern von Freddi erforderlich ist. Das Hohelied ist – wie bei Monteverdi – auch die Quelle für Tota pulchra es, das 1621 von Alessandro Grassi veröffentlicht wurde. Freddis Cognoscam te, Domine ist die Vertonung eines Gebets des heiligen Augustinus von Hippo, während der Text des Salve Regina aus einer Antiphon stammt, die in Treviso eine besondere Rolle spielte, da sie fast das ganze Kirchenjahr hindurch als Teil der Komplet gesungen wurde. Die Instrumentalstücke La Cornera und La Martinenga stammen aus den Affetti musicali (1617) von Biaggio Marini, einer der ersten Sammlungen von Instrumentalmusik für Violine und/oder Zink in kleiner Besetzung. Die stilistische Ähnlichkeit mit Freddis Instrumentalkompositionen zeigt deutlich, wie nahe dieser der Spitze musikalischer Innovationen seiner Zeit war. Dario Castellos Seconda Sonata ist seinen Sonate concertante in stilo moderno … libro primo (1621) entnommen. Sie wurde für zwei nicht näher bezeichnete Sopraninstrumente in einer ungewöhnlich tiefen Stimmung geschrieben, weshalb wir einen stillen Zink verwenden, der einen Ton tiefer gestimmt ist, als es für das gekrümmte Diskantinstrument üblich ist. um das Programm zu vervollständigen, beziehen wir auch einige kurze Orgelstücke von Giovanni Gabrieli mit ein und ein etwas Freddi (Amadeo) ein Capellmeister zu Trevigo oder Trevigi, der Haupt-Stadt in der Marca Trevigiana, im Venetianischen Gebiete, am Fluß Pievesella (Ecclesiæ Tarvisinæ Musices Magister) hat an. 1617 Sacras Modulationes, oder Motetten von 2. 3. und 4 Stimmen zu Venedig ediret. Im Parstorfferischen Music-Catalogo werden noch folgende Wercke von ihm angeführet, als: Divinæ Laudes à 2. 3. 4. Voci con Basso, lib. 4; Hinni concertati à 2. 3. 4 e 6 Voci, con doi instrumenti acuti, & uno grave per le Sinfonie; und Antifone à 4 Voci. Dieses letztere ist an. 1642 herausgekommen, als der Auctor an der Dom-Kirche zu Padua Music-Director gewesen. Francesco Dominici (ca. 1543–1578): Processione della Santissima Annunciata (1571) Im Hintergrund die Kathedrale von Treviso vor deren Umbau 1760 CD: The Gonzaga Band – Amadio Freddi – Vespers Tage alTer Musik regensburg Mai 2026 24
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