Tage Alter Musik – Programmheft 2026

Tage alTer Musik regensburg Mai 2026 dem schottischen Komponisten James Oswald (1710–1769) her, der um 1760 in London zwölf Serenatas for the Guittar veröffentlichte und sie – aus unbekannten Gründen – „Antonio Pereyra da Costa, Mestre da Capela da Sé do Funchal“ zuschrieb. Pereira wurde vermutlich um 1697 geboren, einem Datum, das sich aus einer Gravur auf dem Titelblatt der Publikation seiner auf 1741 datierten Concerti ableiten lässt, in der sein Alter mit 44 Jahren angegeben wird. Sein auf den 14. April datierter Totenschein erwähnt einen in Lissabon lebenden Bruder, was darauf hindeuten könnte, dass Pereira de Costa nicht ursprünglich aus Madeira stammte. In Funchal, der Hauptstadt von Madeira, diente Pereira da Costa als Mestre de Capela, der höchstrangigen Stellung für einen Musiker auf der Insel. Er war geweihter Priester, der in verschiedenen Dokumenten als „Abt“ oder „hochwürdiger Vater“ bezeichnet wurde und auf einem Kupferstich in der Kleidung eines Weltgeistlichen zu sehen ist. Ein weiteres wichtiges Dokument ist das Vorwort zu der Veröffentlichung seiner Concerti bei John Simpson (gest. 1747) in London mit einer Widmung an den madeirischen Adeligen João José de Vasconcelos Bettencourt (1703–1766), vermutlich der Finanzier dieser Edition. Leider fehlt bei dem einzigen erhaltenen Stimmbuchsatz, der in der British Library aufbewahrt wird, der Part des violão de concertinho (Cello-Solo mit Continuo). Miguel Jalôto hat diesen Teil für das Ensemble Bonne Corde rekonstruiert. Barroco Tropical präsentiert die Concerti Grossi von Pereira da Costa im Kontext ähnlicher Werke, die zur gleichen Zeit in London sehr populär waren und an denen man gut das Besondere an Pereiras Kompositionen erkennen kann. Obgleich auf dem Corelli-Modell basierend – die Titelseite von Pereira da Costas Sammlung ist fast eine Kopie des Titelblatts von Corellis Op. 6 in der Ausgabe von Estienne Roger (Amsterdam, 1714) – fügt Pereira Elemente eindeutig iberischen ursprungs in seine Concerti ein und stattet sie mit einer „tropischen“ Vitalität und musikalischen Wendigkeit aus, die sie von den Werken seiner Zeitgenossen unterscheiden. Ab den 1740er Jahren gab es in England ein auffallendes Interesse an dieser Gattung: So wurden Händels Concerti Grossi Op. 6 1739/40 veröffentlicht; Geminianis Opp. 2 und 3 wurden 1732 und seine Arrangements von Corellis Opp. 1 und 3 im Jahr 1735 und von Op. 7 im Jahr 1746 herausgegeben. Verschiedene Concerti Grossi von Charles Avison erschienen zwischen 1740 und 1769. Arcangelo Corelli bleibt als Komponist, der sich allein durch Instrumentalmusik einen namen machen konnte, ein Phänomen in der europäischen Musikgeschichte. 1653 in Fusignano geboren, ging er mit 22 Jahren nach Rom und wurde dort zu einer der bedeutendsten Persönlichkeiten in der Musikwelt seiner Zeit. Er etablierte mehrere Musikformen einschließlich des Concerto Grosso, das typischerweise für zwei Violinen und ein Violoncello gesetzt war. Aus seiner einzigen von ihm veröffentlichten Sammlung, dem Op. 6, spielen wir das Concerto Nr. 1 in D-Dur. Francesco Saverio Geminiani war einer der besten Violinisten seiner Zeit und ein überaus produktiver sowie origineller Komponist. Vermutlich war er in Rom sowohl bei Corelli als auch bei Scarlatti Schüler, wobei Corellis Einfluss in seinen Kompositionen deutlich erkennbar ist. Im Jahr 1714 ging er nach London, wo sich die italienische Musik großer Beliebtheit erfreute und wo sich im Vergleich zu anderen europäischen Hauptstädten freischaffenden Künstlern außerAntónio Pereira da Costa, ConcertinoStimme Violine I: Concerto grosso A-Dur op. 1, Nr. 9 (Schluss, Vivace) und Concerto grosso C-Dur op.1, Nr. 10 (Beginn, Adagio-Vivace-Allegro) António Pereira da Costa (ca. 1697-1770) Titelblatt der Sammlung Concertos Grossos com doys Violins, e Violão de Concertinho Obrigados: E outros doys Violins, Viola e Orgão, de Concerto Grosso a Arbitrio q Se poderao dobrar 78

RkJQdWJsaXNoZXIy OTM2NTI=