Tage alTer Musik regensburg Konzert 12 armonico (1711) ist, möchten wir unser Konzert mit dem Konzert in a-Moll BWV 593 beginnen, das die gleiche euphorische Stimmung vermittelt. ursprünglich war es ein Werk für zwei Violinen und Orchester, das Bach um 1714 für die Orgel transkribiert hatte, als er einen Posten am Hof von Weimar innehatte. Er hatte damals Zugang zu einer Bibliothek voller italienischer Musik, aus der er eine Inspiration und eine Leidenschaft schöpfte, die ihn nie wieder verlassen sollten. um aus dieser Musik zu lernen, verfasste er von Konzerten verschiedener Komponisten sechzehn Transkriptionen für das Cembalo und fünf für die Orgel. Letztere haben uns besonders interessiert, sodass wir nicht der Versuchung widerstehen konnten, sie unsererseits für zwei Cembali zu transkribieren. Hier spielen wir das Konzert in d-Moll BWV 596, ein Werk, das ursprünglich von Vivaldi für zwei Violinen, Violoncello und Orchester konzipiert war. Das Spiel auf zwei Cembali ermöglicht es uns, die Orchesterpartituren besser einzubinden und einen feinen Dialog zwischen den verschiedenen Solopartien herzustellen, ohne die Eigenheiten der Artikulation zu verlieren, wie es manchmal bei der Akustik in einer Kirche geschieht. Geistliche Musik wurde im Café Zimmermann ebenfalls gespielt, so wie es in einer protestantischen Gesellschaft üblich war, geistliche und weltliche Musik zu mischen. Ein Beispiel für diese Praxis ist das Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach, ein Heft, in dem die Gattin von J. S. Bach Klavierstücke und Lieder ihres Mannes notiert hatte, und wo Menuette, Polonaisen und Partiten bunt gemischt sind mit Chorälen in lutherischer Tradition. Dieses Büchlein hilft uns, eine Vorstellung von den häuslichen Soireen zu bekommen, bei denen sich unterhaltungsmusik mit Liedern zum Lob Gottes oder mit Trauermusik zur Ehrung eines verstorbenen Verwandten abwechseln konnten. Als einen Moment der besinnlichen Atempause haben wir daraus die beiden Choräle Nun komm, der Heiden Heiland BWV 659 und Wachet auf, ruft uns die Stimme BWV 140 entnommen, die beide aus der Leipziger Periode Bachs datieren, sowie dieSonatina aus dem Actus tragicus BWV 106. Da Bach es unterlassen hat, eine große Passacaglia für Cembalo zu komponieren, spielen wir hier die berühmte Passacaglia in c-Moll BWV 582 mit einem kleinen Vorspiel, dem Pedal-Exercitium BWV 598, ein einzigartig brausendes und tosendes Stück. Diese beiden Werke fordern die tiefen Register unserer Instrumente heraus und illustrieren den Klang der großen deutschen Cembali mit 16 Pedalen, deren zusätzliche Saiten eine Oktave tiefer klangen, als sie in der Partitur notiert sind. Für den Schluss unseres Konzerts haben wir das Konzert in c-Moll für zwei Cembali und Orchester BWV 1060 ausgewählt. Es ist das einzige Stück von Bach in diesem Programm, das wir nicht transkribiert haben, und wir spielen die noten genau so, wie sie der Meister in der Erstfassung selbst geschrieben hat: ohne Orchester. Das mag wie ein Frevel wirken, zwei Quellen stützen aber unser Vorgehen. Zunächst das Konzert in C-Dur für zwei Cembali BWV 1061, das in zwei Versionen existiert: die eine ist für zwei Cembali allein, die andere, spätere, wird um ein Streichquartett erweitert, ohne dass der Part der Tasteninstrumente geändert wird. Das bestätigte unsere Meinung, dass die zweite Fassung die erste nicht ersetzen, sondern nur eine neue Interpretation und neue Farben ins Spiel bringen sollte. Die zweite Quelle ist Präludium und Fuge für Cembalo in a-Moll BWV 894, die Bach in seinen jungen Jahren in Weimar komponiert hat. Auch hier gibt es praktisch keine Veränderung im Cembalo-Part, als dass ihm eine Flöte, eine Violine und ein Orchester Kupferstich von Johann George Schreiber mit Darstellung der Katherinenstraße, Leipzig um 1720 Zimmermannsches Kaffeehaus 1749 85
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