Tage Alter Musik – Programmheft 2026

zum Programm: William Lawes (1602–1645) Lighten mine eies – Choice Psalmes – Harp Consorts Das Jahr 1645 bedeutete einen schweren Verlust für die englische Musik. Inmitten des Bürgerkriegs wurde William Lawes am 24. September während der Belagerung von Chester – einer Festung, die von den Royalisten unter König Charles I. verteidigt wurde – getötet, obwohl er auf einem vermeintlich sicheren Militärposten stationiert war. Der Tod des jüngeren Bruders von Henry Lawes imAlter von 43 Jahren wurde in der damaligen Musikwelt zu Recht als Tragödie angesehen, wie mehrere poetische Würdigungen von Robert Herrick oder Robert Heath belegen. John Tatham schrieb z.B. 1650 in seinem Werk Ostella: Wer sagt, Will Lawes sei tot? Hatte doch sein Atem Kraft genug, selbst den Tod in seinem Wüten in Bann zu schlagen. Den Großteil seiner Kammermusikwerke komponierte William Lawes ab den 1630er Jahren, nachdem er durch die Vermittlung seines Bruders Zugang zum Hof und 1635 die Position eines Sängers und Lautenspielers bei der King’s Musick erhalten hatte. Sein Œuvre ist geprägt von brillanten Einfällen; so sind auch seine Fantasien für fünf und sechs Violen nach wie vor ein Eckpfeiler des Consort-Repertoires für Viola da gamba. Lawes komponierte auch die Musik für mehrere Theaterproduktionen und Masques, darunter The Triumph of Peace und die berühmten Royal Consorts, die bemerkenswerterweise zwei Theorbe-Stimmen enthalten. Während seiner kurzen, aber beeindruckenden Karriere verblüfft William Lawes vor allem mit seiner Kühnheit in Harmonik und Kontrapunkt. Sein Stil verwebt die komplizierte Polyphonie der elisabethanischen Tradition, die von den Komponisten der Renaissance beeinflusst wurde, mit den ausdrucksstarken Innovationen der italienischen seconda pratica mit Basso continuo und den eleganten Strukturen der französischen Tanzsuiten. Dem heutigen Publikum wenig bekannt, besticht sein Stil durch Kreativität und die Wahl der verwendeten Ensembles. Seine Harfenkonzerte, vermutlich komponiert für die engere königliche Hausgemeinschaft, zu der auch mehrere Harfenisten gehörten, sind ein gutes Beispiel für diesen modernen Ansatz. Sie gehören mit zu den ersten Kammermusikpartituren, die speziell für die Harfe konzipiert wurden. Bei uns werden sie von Viola da Gamba, Violine und Theorbe begleitet. um diese einzigartigen Werke zu ergänzen, haben wir uns entschlossen, einen noch weniger bekannten Teil von William Lawes Œuvre zu präsentieren: Choice Psalmes, erhebende Psalmvertonungen für 3 Stimmen und Continuo, die sein älterer Bruder Henry für ihn im Jahr 1648 posthum veröffentlicht hat. Zwar wurde William Lawes selbst nie zum Gentleman of the Chapel Royal ernannt, aber die Berufung seines älteren Bruders in diesen Sänger- und Komponistenkreis im Jahr 1626 ermöglichte es ihm vermutlich, seine geistlichen Werke zu Gehör zu bringen. Diese Stücke wurden bisher nie auf Tonträgern aufgenommen und zeichnen sich bisweilen durch eine seltene Extravaganz in der Harmonik aus. So illustrieren die Elegie zu Ehren von John Tomkins oder das Werk Judah in exile wanders besonders gut die harmonischen Freiheiten, Tage alTer Musik regensburg Mai 2026 96

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