Tage Alter Musik – Programmheft 2026

in g-Moll; besonders interessant ist das Finale, in dem Titz brillant im russischen Stil komponiert, ohne direkt Volkslieder zu zitieren. Der gebürtige Mainzer Sebastian George (ca. 1745-1796), ein Kapellmeister, Klavierlehrer und herausragender Komponist, lebte seit den späten 1760er Jahren in Moskau, komponierte eine komische Oper, mehrere Kantaten, Sinfonien und Kammermusik für diverse, teilweise kuriose Besetzungen. Die von George in Moskau und St. Petersburg eröffneten Musikgeschäfte boten den damaligen Amateuren und Fachleuten die neuesten Modelle von Hammerklavieren, darunter auch solche mit Orgelregistern. Das musikalische Œuvre von George ist vor allem dank der erhaltenen Manuskripte der Sammlung von Alexei Razumowsky bekannt, die in der nationalbibliothek in Kiew aufbewahrt wird. unter diesen Manuskripten befindet sich eine reizvolle Miniatur-Konzertsymphonie für sechs Soloinstrumente, eine Hommage an den Stil von Johann Christian Bach. Es ist kein Zufall, dass der name des russischen Komponisten Evstignej Fomin (1761-1800) in unserem Programm auftaucht, denn sein Schicksal spiegelt in vielerlei Hinsicht die Lebenswege der anderen Protagonisten unseres Programms wider. Fomin wurde dank seiner musikalischen Begabung im Alter von 20 Jahren zum Studium nach Italien geschickt. Wie zuvor Wolfgang Amadeus Mozart wurde er Mitglied der Philharmonischen Gesellschaft von Bologna und kehrte nach vier Jahren mit dem Titel des „Bologna Accademico Filarmonico“ nach Russland zurück. Er erhielt sofort den Auftrag für eine große Märchenoper nach einem Libretto von Katharina II., die aber offenbar nicht angenommen wurde, da sie nur einmal imHoftheater der Eremitage aufgeführt wurde. Die Partitur der Oper ist verloren, doch die Orchesterstimmen sind erhalten geblieben, was es uns ermöglicht hat, die Instrumental- und Ballettnummern zu rekonstruieren. Eine nummer aus dieser Oper ist die Darstellung einer inszenierten „Straßenschlacht“ in novgorod. So haben nicht nur die Komponisten unseres Konzerts die Reise ihres Lebens hinter sich, sondern auch ihre Musik wurde wie der Phönix aus der Asche wiedergeboren. Autor: Pavel Serbin Deutsche Überarbeitung: Christina und Hannsjörg Bergmann Gerard De La Barthe (ca. 1730-?), Blick auf den Kreml von der Steinbrücke aus (1794) Tage alTer Musik regensburg Mai 2026 114

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