Tage alTer Musik regensburg Konzert 18 Bayern wurde. In den frühen 1520er Jahren gründete Herzog Wilhelm IV. eine eigene Hofmusik und berief den Komponisten Ludwig Senfl (um 1490–1543) in seine Dienste. Gemeinsammit seinem neuen Herrn dürfte Senfl 1529 am Reichstag zu Speyer teilgenommen haben, wo er die Kathedralglocken gehört haben könnte, die er in seinem berühmtesten Werk Das Gläut zu Speyer so eindrucksvoll nachbildete. Obwohl Wilhelm ein strenger Katholik war, stand Senfl in Briefkontakt mit Martin Luther und tauschte sogar Geschenke mit ihm aus – eine Motette gegen eine Bücherkiste. Seine protestantischen neigungen brachten ihn kaum in Schwierigkeiten, doch sein Schüler Ludwig Daser (um 1525–1589) hatte weniger Glück: nach einer Inquisition verlor er sein Amt als Kapellmeister unter Wilhelms nachfolger Herzog Albrecht V., offiziell aus Krankheitsgründen, erhielt jedoch eine Pension. Später wirkte er am protestantischen Hof in Stuttgart, doch seine Musik erklang weiterhin in München; vermutlich aus dieser Zeit stammt seine klangvolle doppelchörige Motette Fratres, sobrii estote. Mit der Ankunft des franko-flämischen Komponisten Orlandus Lassus (um 1532–1594) im Jahr 1555 wurde Münchens Rang als eines der führenden Musikzentren Europas gefestigt. Zunächst Hofkomponist, folgte er Daser als Kapellmeister und blieb bis zu seinem Tod in diesemAmt. Sein Ruhm zog andere große Komponisten wie Andrea und Giovanni Gabrieli an, die bei ihm studierten. Lassus’ freudige Psalmmotette Laudate Dominum, omnes gentes ist für zwölf Stimmen gesetzt, die sich nicht im venezianischen doppelchörigen Stil, sondern in immer neuen Kombinationen einander zu- und voneinander abwenden. In den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts erlebte das Rom der Renaissance seinen Höhepunkt. unter Papst Julius II. begann der neubau des Petersdoms, Raphael schmückte die Vatikanischen Gemächer aus, Michelangelo malte das Gewölbe der Sixtinischen Kapelle. Die Ewige Stadt und die Kirche schienen unerschütterlich – doch nur zwei Jahrzehnte später, 1527, wurde Rom von den zügellosen Truppen Kaiser Karls V. geplündert, deren Wut von lutherischer Bilderfeindlichkeit angeheizt war. Gemetzel, Flucht, Hunger und Krankheit dezimierten die Bevölkerung um mehr als achtzig Prozent. Der französische Komponist Philippe Verdelot (um 1480/85–1530/32), damals in Florenz tätig, reflektierte diese Ereignisse in seinem allegorischen Madrigal Trist’Amarilli mia, in dem der Hirte Tityrus (Papst Clemens VII.) den Vatikan und den Tiber verlässt, während seine Weide (Rom) in Trümmern liegt. Obwohl sich die Stadt langsam erholte, war die Ära der machtstrotzenden Renaissancepäpste vorbei; die Kirche begab sich in eine lange Reformphase als Antwort auf die lutherische Bedrohung. In diesem umfeld wirkte Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525–1594), der nahezu sein gesamtes Berufsleben in Rom verbrachte. Seine Motette Tu es Petrus, die kurz nach seiner Rückkehr in den päpstlichen Dienst entstand, atmet das wiedererwachte Selbstbewusstsein von Stadt und Kirche. Felice Anerio (um 1560–1614) folgte ihm als Komponist der Päpstlichen Kapelle; seine Passionsmotette Christus factus est ist schlichter und unmittelbarer im Ausdruck. Ludwig Senfl (ca. 1490-1543), Medaille (1526) von Friedrich Hagenauer zeigt ein Brustbild Ludwig Senfls, bartlos, mit Hut und Kette, mit der Angabe „SALVTI XXVI“, in der Umschrift Senfls Devise. Auf dem Revers ist geschrieben: „VERA.IMAGO.LVDOVVICI SENNFL“. (München Staatliche Münzsammlung; Abbildung in Ludwig Senfls Werke. Erster Teil, hrsg. Von Th. Kroyer, Leipzig 1903 (Denkmäler der Tonkunst in Bayern III/2), S. LXXVI) Claudio Monteverdi (ca. 1630), Gemälde von Bernardo Strozzi (1581-1644) 119
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