Obwohl Lissabon am Rande Europas lag, wurde die Stadt dank Portugals kühner Seefahrer, seines expandierenden Kolonialreichs und nahezu vollständigen Monopols im Gewürzhandel aus Indien ungeheuer reich. Diese Einnahmen finanzierten prachtvolle Bauwerke und förderten Künstler, Dichter und Musiker. Das sogenannte Cancioneiro de Lisboa stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts und enthält Pásame por Dios, ein weltliches dreistimmiges Lied von Pedro de Escobar (um 1465–nach 1535), einem in Porto geborenen Komponisten, der lange in Sevilla tätig war. Die Thronfolgekrise von 1580 führte zur Vereinigung der Kronen Spaniens und Portugals unter Philipp II., wobei Portugal beträchtliche Autonomie in Verwaltung und Kultur behielt. Manuel Cardoso (um 1566–1650) war sechs Jahrzehnte lang mestre de capela am Convento do Carmo in Lissabon. Seine dramatischen Lamentationes gehören zu seinen besten erhaltenen Werken, voller unerwarteter Wendungen. Der Text über den untergang Jerusalems war nicht nur politisch aufgeladen, sondern scheint auch das verheerende Erdbeben von 1755 vorauszuahnen, das das alte Lissabon zerstörte; die Ruinen des Convento do Carmo sind bis heute Zeugnis dieser Katastrophe. Viel von der Musik João Rebelos (1610–1661), Leiter der Hofkapelle von Johann IV. im restaurierten portugiesischen Königreich, ging dabei verloren. Was blieb, darunter das großartige siebenstimmige Panis Angelicus, zeigt eine faszinierende Verschmelzung von Renaissance-Kontrapunkt und barockemAusdruck, typisch für die späte portugiesische Polyphonie. unsere letzte Postkarte erreicht uns aus dem stolzen Stadtstaat Venedig. Zwar wurde seine Handelsstellung im 16. Jahrhundert durch Lissabon ernsthaft bedroht, doch als künstlerisches Zentrum war Venedig konkurrenzlos – besonders als Künstler, Komponisten und Drucker nach der Plünderung Roms hier neue Gönner suchten. Der CD: Stile Antico – William Byrd – Mass for 4 Voices CD: Stile Antico – Palestrina – Missa Papae Marcelli Tage alTer Musik regensburg Mai 2026 120
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