Tage Alter Musik – Programmheft 2026

Tage alTer Musik regensburg Konzert 2 Heinrich Isaac Die Biographen wissen nichts Genaueres über den Geburtsort von Isaac (er stammt wohl aus Flandern) und sein Geburtsjahr (um 1450). Über seine ersten Jahre ist nichts bekannt. Aber noch recht jung erwirbt er sich seine ersten Meriten und einen exzellenten Ruf als Musiker. Von da an steht ihm ganz Europa offen. 1485 tritt er in Florenz als Kantor und Komponist in die Dienste von Lorenzo de’ Medici. Dieser etabliert ihn in Florenz, findet eine Ehefrau für ihn und vertraut ihm die musikalische Erziehung seiner Kinder an, darunter auch Giovanni, des zukünftigen Papstes Leo X. Lorenzo geht sogar so weit, die Kompositionen Isaacs in Manuskriptform oder, je nach Bedeutung, in prächtiger Ausstattung seinen Gästen als Geschenk zu übergeben. Der Komponist seinerseits vertont den Lieblingsdichter des „Prinzen“: Angelo Poliziano. Mit dessen Versen wird er auch in seinem außergewöhnlichen Quis dabit capiti meo aquam? den Tod von Lorenzo 1492 beweinen. Mit Lorenzo il Magnifico geht auch Florenz, die geliebte Wahlheimat von Isaac, unter. Angesichts der allgemeinen Feindseligkeit den Medici gegenüber, insbesondere von Savonarola entfacht, knickt auch Pietro il Infortunato ein, und seine Verbannung 1494 beendet die Herrschaft des Wappens mit den sechs Kugeln. Das Kind, das seinerzeit Isaac in Musik unterrichtet hat, ertrinkt – nicht einmal zehn Jahre nach diesen Ereignissen – mit 31 Jahren auf der Flucht. Der andere Sohn, Giovanni, war Kardinal geworden und musste in der Verkleidung eines Franziskanermönchs fliehen. Isaac selbst geht mit seiner Frau nach Österreich ins Exil und tritt in die Dienste von Maximilian I., dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Als sich Isaac 1502 in Ferrara um eine Stelle bewirbt, wird ihm ein gewisser Josquin Desprez vorgezogen. Das berühmte Ablehnungsschreiben ist noch erhalten. Mit Hilfe der spanischen Armee und von Papst Julius II. kommen die Medici 1512 wieder nach Florenz, und endlich kann auch Isaac 1515 in seine Wahlheimat zurückkehren. Kaiser Maximilian erlaubt ihm, quasi auf dem Sterbebett, für immer nach Florenz zu gehen und stattet ihn dafür mit einer lebenslangen, großzügigen Pension aus. Von hier aus knüpft Isaac wieder Kontakte zu seinem ehemaligen Schüler, dem jetzigen Papst Leo X. Schließlich stirbt Isaac 1517 in seinem geliebten Florenz, das er so vermisst hatte in den 21 Jahren seines Exils. Die Musik von Isaac stellt insoweit eine Besonderheit dar, als sie zwischen der späten Erhabenheit der Motette mit dem Cantus firmus im Tenor und der Modernität der Renaissance mit einem Cantus firmus, der sich über alle Stimmen verteilt (mit Kanons, Imitationen usw.) steht. Diese perfekte Verbindung des alten und des neuen Stils zeigt sich beeindruckend in der Motette Virgo prudentissima. Die monumentale und doch so sensible und sinnliche Struktur von Isaacs Motetten zeigt, dass das Mittelalter zu Ende geht und eine neue Ära anbricht, die Ära der Madrigale mit dem Ausdruck von Emotionen als ihrem grundlegenden Prinzip. Einige der Interpreten der Musik von Isaac neigen dazu, sein Werk mehr in Richtung Renaissance zu treiben und vor allem mit vielen „ficta“ die Lesart der Modalität zu verändern, um Dissonanzen zu vermeiden. Das Ensemble Irini hat sich aber zum Ziel gesetzt, die ursprüngliche mittelalterliche Tonalität zur Geltung zu bringen, indem es nur auf einige wenige, seit langem überlieferte Alterationen zurückgreift. Keine Schnörkel, kein Feuerwerk bei Isaac: jede note, jede Stimme arbeitet wie ein uhrwerk und mutet an wie perfekte Mechanik und Technik, gleichzeitig aber wie ein lebender Körper von einzigartiger Sensibilität. Diese komplexe Verschränkung wird erst mit dem Gesang wirklich deutlich. Darin kommt er einem J.S. Bach sehr nahe – zwei Jahrhunderte früher. Liturgische Gesänge aus Georgien Zu der Zeit, als Isaac aus Florenz ins Exil ging, war Georgien, die letzte christliche Bastion östlich des Schwarzen Meers, durch die blutigen Kriege zwischen den muslimischen Osmanen und Persern gerade brutal in drei Teile zerrissen worden – ein kleiner Teil blieb georgisch. Doch beendete diese Dreiteilung des Landes nicht die Grausamkeiten, und die Kriegsherren, muslimisch oder nicht, kämpften hartnäckig um die Vorherrschaft. In diesen unablässigen internen und externen Kriegen wurde das georgische kulturelle Erbe schwer beschädigt. So setzten die Osmanen 1510 das Kloster Ghelati, das als zweiter Berg Athos galt und im 14. Jh. das religiöse Zentrum Georgiens war, in Brand und zerstörten es. Auch wenn noch zahlreiche schriftliche Aufzeichnungen der georgischen Gesänge erhalten sind, gibt es keine genaueren Erläuterungen zur Aufführungspraxis. Alles, womit georgische und internationale Musikwissenschaftler bei der Wiederherstellung und der Analyse arbeiten konnten, beruht auf mündlichen Überlieferungen und den Aufnahmen der Gesänge zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ihren Bemühungen verdanken wir das Überleben des musikalischen Erbes eines Landes, das über Jahrhunderte hinweg seiner Kultur beraubt wurde, das annektiert, erobert und assimiliert wurde. So konnte dieses musikalische Erbe, die Frucht eines langen Weges der Resilienz und des Widerstands, nie ganz verschwinden und bietet dank der internationalen Zusammenarbeit unter FühDas Ensemble Irini bei der CD-Aufnahme in der Kirche Notre-Dame des Miracles Foto: Yulika Sève 17

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