Tage alTer Musik regensburg Konzert 3 Originalität und Fertigkeit. Was wissen wir also über Amadio Freddi, eine schwer fassbare Persönlichkeit, die bisher in den Fußnoten der Musikgeschichte firmierte? Es existieren keine urkunden über seine Geburt oder seine Taufe, aber da die Archive von Padua belegen, dass er 1643 im Alter von 63 Jahren gestorben ist, können wir davon ausgehen, dass er etwa um 1580 geboren wurde. Zum ersten Mal taucht er in den Geschäftsbüchern der Basilika S. Antonio in Padua auf, wo er im Januar 1592 im Alter von etwa zwölf Jahren für ein Gehalt von 18 Dukaten als Sopranist in die cappella aufgenommen wurde. 1593 war die cappella von S. Antonio eines der am aufwändigsten besetzten Ensembles in norditalien: mit ihrer außerordentlich großenAnzahl von Sängern und Instrumentalisten (einschließlich Zink, Posaune und Violine) war sie bestens dazu geeignet, polyphone Musik im großen venezianischen Stil aufzuführen. Doch allem Anschein nach wurden die kirchlichen Finanzen nicht gut verwaltet und die Kapelle wurde zeitweise immer wieder verkleinert, um den Etat auszugleichen. In diesen Perioden der Reduzierung musste sie mit weniger Sängern und nur einem Zink sowie einer Violine auskommen. Das könnte wohl die Idee Freddis befeuert haben, mit einemMinimum an Mitwirkenden ein Maximum an Vielfalt und Klangfarben zu erzeugen. Eine wichtige Schlüsselrolle inAmadio Freddis musikalischer Ausbildung spielte zweifellos der namhafte Kapellmeister und Komponist Costanzo Porta, der von 1595 bis zu seinem Tod 1601 maestro di cappella an S. Antonio war. Wenn Porta Amadio Freddi im Kontrapunkt des stilo antico unterrichtete, so war es später höchstwahrscheinlich der Theorbenspieler und Sänger Bartolomeo Barbarino, ein Meister der Monodie, der zwischen 1606 und 1608 an S. Antonio wirkte und Amadio Freddi in die Kompositionstechniken der seconda pratica einweihte. Freddi wurde an S. Antonio anscheinend sehr geschätzt und stand wohl zwei Mal (1606 und 1614) als maestro di cappella zur Diskussion, doch wurde ihm jeweils ein anderer vorgezogen, obwohl er sogar die Priesterweihe empfangen hatte – eventuell auch, um Vorbehalten gegen seine Person vorzubeugen. Die zweite Ablehnung dürfte wohl auch seinen Weggang aus S. Antonio im Februar 1614 beschleunigt haben. 1615 fand er am Dom von Treviso eine neue Anstellung als maestro di cappella. Dokumente, die Licht auf seine dortige Tätigkeit werfen könnten, gingen leider während des Zweiten Weltkriegs verloren, aber in der Kirche S. Teonisto in Treviso, in der Freddi in einer zweiten Anstellung sowohl als Priester als auch als Musiker wirkte, existieren noch Akten, die wertvolle Informationen zur Organisation ihrer cappella liefern. So wurden an den wichtigen Festtagen von Teonisto und Mariä Himmelfahrt regelmäßig externe Musiker angeworben: eine Anzahl von Sängern, ein Zinkenist, ein Violinist und ein Organist. Es ist deshalb nicht unwahrscheinlich, dass bei einem dieser Anlässe Freddis Vespermusik aufgeführt wurde. Ein deutliches Zeichen dafür, dass seine Musik in Kollegenkreisen sehr geschätzt wurde, ist wohl die Tatsache, dass er 1625 – neben Monteverdi, Grandi, Barbarino und Anderen – gebeten wurde, zu der Anthologie Ghirlanda sacra zwei Motetten für Sologesang beizusteuern. Beide – Cognoscam te, Domine und Salve Regina – sind Bestandteil unseres Programms. Freddi blieb bis 1627 in Treviso; während dieser Zeit publizierte er nach der Messa, vespro et compieta vier weitere Sammlungen geistlicher Musik. Zwischen 1627 und 1634 finden wir Freddi als maestro di cappella am Dom von Vicenza. In dieser Periode veröffentlichte er seine letzte Sammlung, Hinni novi concertati, mit Sätzen für Stimmen und instrumentales Ensemble, darunter auch Ave, stella maris – gleichfalls in unserem Programm. 1634 schließlich kehrte Freddi als maestro di cappella nach Padua zurück – an die Kathedrale Santa Maria Assunta. Dem uralten Sprichwort folgend „Einer von uns hat es geschafft“, erhielt er ein recht annehmbares Gehalt von 120 Dukaten jährlich, das schon zwei Jahre später auf 160 erhöht wurde, weil er seine Bitte ummehr Gehalt damit begründet hatte, er habe schließlich eine größer gewordene Familie zu ernähren, die vom „Schweiße seiner unbedeutenden Arbeit“ leben müsse. zur Musik der Vesper (1616) Die liturgischen Hauptbestandteile unseres Programms – die fünf Psalmen und das Magnificat – stammen aus Freddis Messa, vespro et compieta (1616). Schon die ungewöhnlichen Vertonungen dieser Sammlung zeigen, dass Freddi als Komponist seiner Zeit voraus war: Indem er Prinzipien der instrumentalen Triosonate, wie sie damals gerade aufkam, mit der reinen Vokal-Motette verband, nahm er ein Muster vorweg, das eines der typischen Kennzeichen des venezianischen Stils der 1620er Jahre werden sollte. Durch solch einfallsreiche Vokal-Instrumental-KomJamie Savan, Zink und Leitung Johann Gottfried Walther: Musicalisches Lexicon Oder Musicalische Bibliothec. Leipzig: Wolfgang Deer 1732. S. 260-261 21
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