Tage Alter Musik – Programmheft 2026

Tage alTer Musik regensburg Konzert 4 und dessen Ensemble Caravansérail oder mit der „Bande de Clavecins” (Yoann Moulin, Freddy Eichelberger) auf. 2023 gastierte er erstmals bei den TAM in Regensburg zusammen mit der Gambistin Lucile Boulanger, mit der er regelmäßig konzertiert. Auch mit der Sopranistin Alice Foccroulle, dem Schriftsteller Pascal Quignard oder im Kreis seiner Freunde der Ensembles Ground Floor und Les Harpies ist er häufig im Konzert zu erleben. zum Programm: Jede Existenz hinterlässt ihre Spuren …, ihnen nachzuspüren ist keine exakte Wissenschaft. Es ist eine Suche, bei der jede Hypothese unter einem anderen Blickwinkel eine neue Richtung einschlägt, was wiederum die Wissbegier anstachelt – nicht, um zu einem Schluss zu kommen, sondern um weiterzuforschen. Baptiste Morizot, Sur la piste animale Für Bach war die Aneignung des französischen Stils ein fortwährendes Bestreben, ein leitendes Prinzip, ein innerer Kompass. Er studierte ihn unermüdlich und gab dieses Verständnis mit großer Konsequenz an seine Schüler weiter. Gewiss sind seine deutschen Vorbilder Buxtehude, Reincken und Pachelbel weithin bekannt, doch ebenso stellen Couperin, Dieupart, d’Anglebert und Grigny entscheidende Wegmarken dar, die seine musikalische Sprache nachhaltig geprägt haben. Dieses Programm erkundet die persönliche Beziehung, die Bach zu Frankreich pflegte – einem Land, das er niemals betreten hat und das er dennoch auf bemerkenswert intime Weise kannte. Zwischen den beiden Französischen Suiten BWV 814 und BWV 816 erklingen sieben kurze Charakterstücke aus dem Sixième ordre der „Pièces de clavecin“ (1717) von François Couperin: Prélude, Les Moissonneurs, Les Langueurs Tendres, Le Gazouïllement, Les Bergeries, La Bersan und Les Baricades Mistérieuses. Diese kurzen Miniaturen stellen Stimmungen, Personen oder Szenen des höfischen und ländlichen Lebens dar. Die Französischen Suiten sind die heute am meisten gespielten Werke Bachs. Bereits in ihrer Entstehungszeit wurden sie von zahlreichen Schülern des Kantors sorgfältig als Lehrmaterial kopiert und nachgespielt, da sie als weniger anspruchsvoll galten als die Englischen Suiten. Doch dem ist nicht so! Standortbestimmung Man nimmt heute an, dass Bach eine erste Version in seiner Zeit in Köthen um 1720 komponierte, zur musikalischen Erziehung seines Sohnes Wilhelm Friedemann, „dem Sohn, den ich liebe und der mir so viel Freude macht“, wie er laut dem Philologen C. F. Cramer gesagt haben soll. Aber diese erste Fassung unterscheidet sich stark von der, auf die heutzutage Bezug genommen wird. Enthalten sind darin beispielsweise zwei wundervolle Suiten, eine in a-Moll BWV 818 und eine unvollendete in Es-Dur BWV 819, die aber im Lauf der Kopien aus der Sammlung verschwanden und heute nicht mehr in der kanonischen Fassung der Französischen Suiten(BWV 812 bis BWV817) enthalten sind. Tatsächlich wurden sie später durch andere Suiten ersetzt, die der Musikwissenschaftler Gilles Cantagrel (in J.-S. Bach: l’œuvre instrumentale, Paris: BuchetChastel, 2018) – vielleicht etwas vorschnell – als „musikalisch wertvoller“ einordnete. So sollte man eigentlich den sechs bekannten Suiten noch zwei weitere hinzufügen. Mich faszinierte es deshalb, sie alle wieder zusammenzufügen, wobei ich die unvollendete um eine Gigue von Wilhelm Friedemann Bach, die glücklicherweise isoliert steht, ergänzte. In der Tat zeigen all diese acht Suiten das Bestreben Bachs, seinen Schülern eine bestimmte Vorstellung des französischen Stils beizubringen: Raffinement imAufbau, Ästhetik und Anmut der Melodie und Abwechslung durch den unterschiedlichen Charakter der Tänze. Es handelt sich nämlich wirklich um Tänze. Die acht Suiten folgen demselben Schema: Seit Mitte des 17. Jahrhunderts eröffnet eine Allemande, danach geht eine Courante einer festlichen Sarabande voraus; die folgenden kleinen „Galanterien“ – z. B. Menuett, Gavotte, Bourrée – sind in ihrer Reihenfolge nicht festgelegt, münden aber immer in die abschließende Gigue. In Frankreich war es üblich, diese Abfolge von Tänzen mit einem frei gestalteten Präludium einzuleiten, das – wie am Ende des 17. Jahrhunderts – nonmesuré (ohne festen Takt) sein konnte, oder mit einer regulären Ouvertüre wie z. B. bei Charles Dieupart, die Bach ebenfalls kopierte. Bei seinen Französischen Suiten hält sich Bach aber nicht systematisch daran und beginnt oft direkt mit der Allemande. Die fehlenden Präludien machen viele Kommentatoren von Bachs Werk geltend, um sie von den Englischen Suiten zu unterscheiden. Doch sind in mehreren Quellen, die wir konsultiert haben, sehr wohl drei Suiten Pierre Gallon Foto: Damien naud 27

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