mit ihren Präludien enthalten: die Suite in Es-Dur BWV 815 a (dieses Präludium ist uns dank der wunderbaren Abschrift von Johann Heinrich Michel, dem Tenor, der als Evangelist für Carl Philipp Emanuel wirkte, erhalten), die Suite in E-Dur BWV 817 mit einer früheren Fassung eines Präludiums aus dem Wohltemperierten Klavier und die Suite in a-Moll BWV 818a (dort findet sich ein großartiges Präludium mit der Bezeichnung „Sehr lebhaft“). und da auch jede der Englischen Suiten ihr Präludium hat, hielt ich es für folgerichtig, den fünf „Waisenkindern“ das ihnen fehlende Präludium voranzustellen, wobei ich Stücke aus anderen Werken von Bach ver - wendete. Schon von ihrem Charakter her kann man sich den Französischen Suitennicht in gleicher Weise annähern wie z. B. der Kunst der Fuge. Sie dringen anmutig und warm sofort ins Ohr mit ihrem Reichtum an manchmal kaum wahrnehmbaren, manchmal aber auch radikalen Verlagerungen. Warum es so schwierig ist, eine Auswahl zu treffen Bei der Interpretation von Bachs Werken haben wir das Glück, uns auf sorgfältig bearbeitete Editionen verlassen zu können. Dabei ist die Arbeit des namhaften deutschen Musikwissenschaftlers Alfred Dürr (neue Bach-Ausgabe, Bärenreiter) von unschätzbarem Wert. Sie erlaubt jedem, ob Amateur oder ausgebildeter Pianist, Zugang zu einer exzellenten Bearbeitung der besten Quellen mit wissenschaftlichen Erläuterungen. Wenn man sich gerade im Fall der Französischen Suiten direkt mit den Quellen beschäftigt, dringt man zur Essenz des Werks vor. und anders als bei Werken, deren Aufführungspraxis quasi feststeht – was meistens der Fall ist, wenn sie vom Komponisten autorisiert wurde –, ist die Auswahl der Edition nicht nur eine große Herausforderung, sondern schon der erste Schritt der künstlerischen Interpretation. Wenn Sie die Edition von Dürr nehmen, spielen Sie vielleicht die beiden oben erwähnten Präludien, lernen aber nicht die beiden früheren kennen, die er in seine Ausgabe nicht aufgenommen hat, ebenso wenig wie das großartige Trio BWV 814a der Suite in h-Moll oder die so galante Gavotte BWV 815a etc. Auch wenn die Edition von Dürr eine herausragende Leistung ist, reizt es mich intellektuell und als Künstler, jetzt ein wenig wider den Stachel zu löcken. Denn wenn man den Fährten Johann Sebastian Bachs folgen will, muss man unweigerlich in die Fußstapfen vieler vorausgehender Künstler treten. Wir stehen immer wieder vor der Herausforderung, die Balance zwischen schmalen Pfaden und bereits ausgetretenen Wegen zu halten. ein Interpretationskurs mit Johann Sebastian bach Mit dem Problem der Edition stellt sich ein weiteres: das der Verzierungen. Jede Quelle hält andere Lösungen parat. Manche geben gar keine an, andere sprudeln geradezu über mit Trillern, Prallern, Vorschlägen oder Triolen, was eigentlich nur die Bestätigung dafür ist, dass in dieser Epoche die Interpretation sehr flexibel, frei und persönlich war. Alfred Dürr hat zwar eine Auswahl getroffen, indem er mehrere Quellen heranzog, wodurch man einen guten Überblick erhält, was in der Epoche Bachs alles möglich war. Gleichzeitig wird man jedoch verwirrt, weil verschiedene notationen vermischt wurden. Tatsächlich war im 18. Jahrhundert die notation Tage alTer Musik regensburg Mai 2026 Johann Sebastian Bach, Porträt von Elias Gottlieb Haussmann 1746 Foto: Petr Dyrc François Couperin (1668–1733), Radierung von Jean-Charles Flipart nach einem Gemälde von André Bouys, 1735 28
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