Tage alTer Musik regensburg Mai 2026 deklamatorisch, und die für eine Lamentatio typischen Melismen schmücken nur die hebräischen Worte am Versbeginn aus. Scarlatti bedient sich hier eines stilistischen Vokabulars – besondere Instrumentalfärbungen, Chromatismen, Dissonanzen –, das aus seiner langjährigen Theatererfahrung herrührt und das Pathos und die Kontraste intensivieren soll. Die Responsoria dürften zum ersten Mal 1708 in Florenz aufgeführt worden sein, wenn man dem Organisten am Hof der Medici, Giovanni Maria Casini, vertraut, der in seinen Memoiren schreibt, er habe für die Medici diverse Kompositionen Scarlattis bereits aufgeführt, bevor sie zur Karwoche in der Basilika San Lorenzo erklangen. Wir spielen das Responsorium II für Gründonnerstag, Tristis est anima mea, a cappella und das Responsorium III für den Karsamstag, Plange quasi virgo, für vier Stimmen und Basso continuo. Gerade ihnen verleihen die perfekte Ausgewogenheit der Regeln des Kontrapunkts und der gezielte Einsatz von Dissonanzen große Intensität. Verbunden mit der allgemeinen Ehrung der Toten sind die beiden Werke Lectio prima pro defunctis für fünf Stimmen und drei Violen des venezianischen Komponisten Marc’Antonio Ziani aus dem Jahr 1705 und Scarlattis Totensequenz Lacrimosa. Dieser emotional aufwühlende Satz verbindet konträre musikalische Welten: strengen Kontrapunkt und Dissonanzen, Chromatik und vor allem absteigende Quarten des Barocks, das Zeichen für Trauer und Dramatik. In seiner künstlerischen Reife wandte sich Scarlatti der reinen Instrumentalmusik zu: zu den wenigen Titeln, die man ihm explizit zuordnen kann, zählt die Sammlung von sechs Concertos in sieben Sätzen, Alessandro Scarlatti, Anonym, 18. Jahrhundert 36
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