Tage alTer Musik regensburg Konzert 6 spielt – mit zurückhaltenden und regelmäßigen Schlägen stützt. Man wird eine ähnliche Struktur auch in den anderen langsamen Sätzen dieses Programms erkennen können. In der Toccata e-Moll BWV 914 werden die drei Teile eines Konzerts im italienischen Stil erkennbar. Eine Toccata im eigentlichen Sinn gibt das Vorspiel für ein polyphones Allegro, ein Fugato mit ernstem Charakter. Das folgende Adagio wirkt wie frei improvisiert. Die dreistimmige Schlussfuge über ein Thema aus der Toccata hat durch die Bariolagen und gebrochenen Akkorde den Charakter einer imitatio violinistica, einer Verschmelzung des Stils eines Tasteninstruments mit dem einer Violine. Eine besondere Stellung nimmt die Chromatische Fantasie und Fuge in d-Moll BWV 903 ein. Sie gilt durch ihre harmonische und melodische Freiheit zu Recht als eines der gewagtesten Werke Bachs. Diese Kühnheit und Außergewöhnlichkeit wollte man gerne einem späteren Komponisten zuschreiben, in diesem Fall Wilhelm Friedemann Bach, dem ältesten Sohn. Dabei übersah man aber geflissentlich, dass es in der natur Johann Sebastians lag, hin und wieder auch in das abgründige Labyrinth des Sinnenrausches einzutauchen. Tatsächlich hatte Wilhelm Friedemann dieses Manuskript aufbewahrt und im Gegensatz zu anderen Werken seines Vaters nicht verkauft. Hatte es für ihn eine ganz besondere Bedeutung? Könnte man es nicht sogar als ein „Epitaph für Maria Barbara“, die erste Ehefrau von J.S. Bach, lesen, zu der Vater und Sohn eine innige und liebevolle Beziehung hatten? Autor: Gilles Cantagrel Deutsche Fassung: Christina und Hannsjörg Bergmann Bertrand Cuiller spielt auf einem zweimanualigen Cembalo nach Pierre Donzelague (1711) aus der Werkstatt von Detmar Hungerberg (1996). Wir danken der Meisterwerkstätte für historische Tasteninstrumente, Detmar Hungerberg, 42499 Hückeswagen, für die freundliche Bereitstellung des Cembalos. Konzertdauer: ca. 65 Minuten (keine Pause) ALeSSAnDro SCArLAttI (1660-1725) Arpeggio (Ausschnitt aus der Toccata d-Moll) JoHAnn SebAStIAn bACH (1685-1750) Chromatische Fantasie d-Moll BWV 903 Concerto BWV 974 (nach dem Oboenkonzert d-Moll von Alessandro Marcello) (Andante) – Adagio – Presto DoMenICo SCArLAttI (1685-1757) Sonate A-Dur K 208 Adagio e cantabile Sonate g-Moll K 450 Allegrissimo JoHAnn SebAStIAn bACH Concerto D-Dur BWV 972 (nach Vivaldi, Estro Armonico op. 3 nr. 9) Allegro – Larghetto – Allegro beneDetto MArCeLLo(1686-1739) Adagio (aus der Sonate nr. 7 für Cembalo) JoHAnn SebAStIAn bACH ? Concerto C-Dur Anh. BWV 151 Andante JoHAnn SebAStIAn bACH Toccata e-Moll BWV 914 GIoVAnnI bAttIStA FerrInI (ca. 1601-1674) Aria di Fiorenze Ballo di Mantova JoHAnn SebAStIAn bACH Allegro (Kadenz) aus dem Konzert C-Dur BWV 594 (nach Vivaldis Violinkonzert D-Dur „Grosso Mogul“ op. 7 nr. 5) „Concerto nach italiaenischen Gusto“ (Italienisches Konzert) F-Dur BWV 971 Ohne Tempoangabe – Andante – Presto JoHAnn SebAStIAn bACH & ItALIen Programm Zweimanualiges Cembalo nach Pierre Donzelague (1711) aus der Werkstatt von Detmar Hungerberg (1996) 43
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