Tage alTer Musik regensburg Mai 2026 Bach sehr respektvoll gegenüber dem ursprünglichen Gehalt der Vorlagen. Die Bearbeitungen, die immer deutlich über eine bloße Transkription von einem Instrument auf ein anderes hinausgehen, haben einen auffallenden „Mehrwert“ gegenüber dem Original durch neue, spezifische Ausschmückungen mit verschiedenen Verzierungen, Durchgängen und Wechselnoten, wobei Bach aber immer bestrebt war, den Schwung des Originals wiederzugeben, wenn auch in anderen Tonalitäten. Von Vivaldi übernahm Bach mehrere Konzerte aus der Sammlung L’Estro armonico op. 3. Die Transkriptionen, oder besser gesagt, Adaptionen, sind beeindruckend: Er transkribierte nie, ohne eine persönliche Komponente hinzuzufügen, was eine wahre Metamorphose zur Folge hat. Aus einem Vivaldi-Stück wird so ein Bach-Werk. Im Konzert D-Dur BWV 972 sind die drei Sätze – ein festliches Allegro, ein singendes Larghetto und ein verspieltes Allegro – mit zahlreichen Anweisungen wie Tutti/Solo und forte/piano versehen, insbesondere um die Echo-Effekte im brillanten Anfangssatz oder die Gegensätze von Ritornellen und Episoden im abschließenden Allegro zu betonen. Bei all den Kompositionen, die Bach gelesen, untersucht und transkribiert hat, konnte er die Brüder Marcello nicht außer Acht lassen. Das Konzert in d-Moll BWV 974 ist die Transkription eines um 1716 veröffentlichten Concerto a 5 für Oboe und Streicher von Alessandro Marcello. Die rasanten Skalen, gehämmerten Akkorde und unisoni des Kopfsatzes umrahmen klagende Soloepisoden. Im Mittelsatz, einem Adagio mit zahlreichen Verzierungen, entfaltet sich eine wunderbar lyrische Melodie, die von regelmäßig pulsierenden Achteln begleitet wird. Das abschließende Presto ist eine lebhafte zweistimmige Invention, die aus zwei sich wiederholenden Abschnitten besteht. Das Italienische Konzert für Cembalo solo BWV 571 benennt deutlich seine Inspirationsquelle: es heißt Concerto nel gusto italiano, also Konzert nach italienischem Gusto. Sowohl der Geist als auch die Form der italienischen Vorbilder werden auf bewundernswerte Weise bewahrt. Der dreisätzige Aufbau, die Struktur der beiden schnellen Sätze und die gefühlvolle Melodie des zentralen Andante entsprechen der Vorlage, aber die Form und die kontrapunktische Textur sind so streng, wie man es nur von Bach kennt. Der Eingangssatz hat Allegro-Charakter und ist durch den Wechsel von tutti und soli strukturiert. Adolf Scheibe, ein früher Kritiker des Komponisten, lobte das Werk folgendermaßen: „Dieses Clavierconcert muss als das vollkommene Muster eines wohleingerichteten einstimmigen Concerts angesehen werden!“ Im zentralen Andante entfaltet sich eine lange, fesselnde und reich verzierte Arabeske, in der das obere Manual ein Solo spielt, das an eine Violine erinnert, während die linke Hand – quasi wie ein Streicherensemble, das mit Dämpfern Bertrand Cuiller (mit Le Caravansérail) 2019 bei den TAM im Reichssaal Foto: Hanno Meier RÜCK 2019 BLICK CD: Bertrand Cuiller – J.S. Bach: Concerti für drei und vier Cembali CD: Bertrand Cuiller – J.S. Bach: Cembalowerke „Wunderkammer“ 42
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