wir sowohl die Alta als auch die Bassa cappella-Besetzung. Aufmerksamen Zuhörern mag auffallen, dass wir uns entschieden haben, diese Musik in der pythagoreischen Stimmung aufzuführen. Diese Stimmung basiert auf der Schichtung reiner Quinten, einem Intervall, das in dem von uns hier gespielten Repertoire sehr häufig vorkommt. Es sind solche Ausflüge, die Memlings Bilder hervorrufen können: sie führen zu einem vielfältigen Repertoire, in dem – zusammen mit der menschlichen Stimme, dem wichtigsten Instrument überhaupt, – der Klang der „Memling-Besetzung“ reichlich zur Geltung kommt. Autor: Wim Becu Als ich das Altargemälde von Hans Memling zum ersten Mal sah, gingen mir viele Fragen durch den Kopf: Wer ist die Person in der Mitte? Welche Musik singen und spielen die Engel? Macht sie glücklich? Meine Phantasie war geweckt und es entstand die Idee, eine Erzählung um dieses Gemälde herum zu entwickeln, und zwar eine musikalische. Die Grundidee zu diesem Programm beruht auf der Himmelfahrt Jesu und der Aufnahme Mariens in den Himmel. Schon bald – noch bevor ich begann, einschlägige Manuskripte zu studieren – kristallisierte sich die Idee heraus, das Programm in mehrere Abschnitte zu gliedern. Die Himmelsleiter, das Himmelstor, der Thron Gottes wurden zum Grundgerüst für die Vokalstücke, umrahmt von den von meinem Kollegen Wim Becu so durchdacht ausgewählten Instrumentalstücken. Die Auffahrt Jesu zum himmlischen Thron beginnt mit Guillaume Dufays Gloria ad modum tubae – einem seligen, engelsgleichen Gesangsstück, begleitet von zwei Claretas. Die Szene entfaltet sich mit dem Introitus In excelso throno, dessen Klarheit der Solostimme, von einem Psalterium untermalt, das Geleit Jesu durch die Engel in den Himmel veranschaulicht. Die Sequenz Alma cohors Domini ist ein ganz besonderes Stück: der unbekannte Autor (manchmal wird notker genannt) variiert alle möglichen Bezeichnungen für Jesus Christus in Hexametern. Die isorhythmische Motette Christe, sanctorum decus angelorum von John Dunstable basiert auf einer Melodie der Hymne Tibi Christe für das Fest des Erzengels Michael und symbolisiert den Sieg Gottes über die Mächte des Bösen. Kernstück des Programms ist definitiv das Improperium (Klagelied) Popule meus. Die Improperien sind Teil der Karfreitagsliturgie zu Beginn der Anbetung des Kreuzes. Hier klagt Gott sein Volk an, weil es alles Gute, das er ihm getan hat, nur mit Schlechtem vergolten habe. Die das Volk repräsentierende Schola antwortet jeweils mit Wim Becu bei der Probe mit Oltremontano und dem Gesualdo Consort 2012 bei den TAM in der Dominikanerlirche St. Blasius Foto: Hanno Meier RÜCK 2012 BLICK Tage alTer Musik regensburg Konzert 8 Tafel Mitte: Die singenden Engel: Diese flankieren die Gottheit in Dreiergruppen auf jeder Seite und singen aus Notenblättern Tafel rechts: Die Engel spielen von links Busine (kurze, gerade Trompete) und die Clareta (gewundene Trompete), Organetto, Harfe und Fidel 59
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