Tage alTer Musik regensburg Konzert 9 legenden Veränderungen zu beobachten, aber die Interpretation passte sich dem Zeitgeist an. Charpentier hinterließ ein schon fast monumentales Werk, das alle profanen und sakralen Genres umfasst. Die meisten seiner Kompositionen wurden allerdings nicht im Druck veröffentlicht, aber seine autographen Manuskripte umfassen mehr als viertausend Seiten. Die meisten airs, die wir in diesem Konzert vorstellen, stammen jedoch aus Druckausgaben, z. B. den Recueils d’airs sérieux et à boire von Christophe Ballard und dem Mercure galant, einer Monatszeitschrift, die mittels fiktiver Dialoge zwischen dem Redakteur und einer erfundenen Leserin über aktuelle Strömungen in Politik und Kultur informieren wollte. Die Beziehung zwischen Charpentier und Jean Donneau de Visé, dem Herausgeber und Redakteur der Zeitschrift, gründet auf ihrer Zusammenarbeit bei mehreren Bühnenstücken in den Jahren zwischen 1670 und 1680 und erklärt auch die teilweise enthusiastischen Kommentare, die den Abdruck von Charpentiers Airs in dieser Zeitschrift begleiten: „Ich behaupte, dass Sie mir für dieses air sehr dankbar sein werden, da es von Herrn Charpentier stammt, der für tausend Werke berühmt ist, die ganz Frankreich bezaubern“ (Mercure galant, Januar 1678). Eine weitere Druckausgabe, auf die wir uns stützen, sind die Mélanges de Musique Latine, Françoise, et Italienne von Jean-Baptiste Christophe Ballard aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Dies zeigt, dass Charpentier auch dreißig Jahre nach seinem Tod nicht vergessen war und sogar als „berühmter Musiker“ bezeichnet wird, „an den die Erinnerung bei denen, die eine gute Harmonie schätzen, noch nicht erloschen ist“ (Airs choisis à 1, 2 et 3 voix, Prault fils, Boivin et Leclerc, 1738). Einige der Lieder, die als air bezeichnet werden, sind musikalische Intermezzos zu Bühnenwerken der berühmtesten Dichter ihrer Zeit. 1732 erschien Oiseaux de ces bocages (eine Parodie der italienischen Arie Nott’e di) aus dem ersten Intermezzo der 1674 von Molière überarbeiteten Fassung seines Le Malade imaginaire. Andere airs sind die Reste von verlorenen Theaterstücken, wie etwa Ne fripez pas mon bavolet und Si Claudine ma voisine, beides Intermezzi zu L’Inconnu aus dem Jahr 1679. Letzteres wurde ursprünglich 1676 für die Uraufführung von Thomas Corneilles Komödie Le Triomphe des Dames komponiert. Il faut aimer, c’est un mal nécessaire ist die einzige erhaltene Spur der Musik zu L’Inconnu in der Fassung für die Uraufführung im Jahr 1675. Der Mercure galant preist im Januar 1681 die außergewöhnliche Musik Charpentiers zu den Stanzen aus Le Cid, einer Tragikomödie von Pierre Corneille aus dem Jahr 1637, mit folgenden Worten an: „Ich schicke Ihnen etwas ziemlich Altes und doch völlig Neues. Alt, was den Text betrifft, und neu im Hinblick auf die Musik dazu. Monsieur Charpentier, dessen Fähigkeiten Sie schon kennen, arbeitet an den Stanzen des Cid, von denen er jeden Monat eine veröffentlichen will.“ Von den sechs Stanzen von Akt 1, Szene 6 druckte der Mercure jedoch nur die ersten drei ab. Von einer weiteren unerwarteten Verbindung berichtet im Oktober 1689 wiederum der Mercure: „Obwohl das Lied, das ich Ihnen schicke, nicht neu ist, macht es in Paris gerade so Furore, dass es wohl auch in der Provinz beifällig aufgenommen werden wird. Die Worte sind von unserem berühmten Monsieur de La Fontaine, die Musik von unserem genialen Charpentier, der eine so große Kenntnis von der Schönheit jedweder Art von Musik besitzt.“ Das air mit dem Titel Brillantes fleurs, naissez eröffnet die kleine Oper Galatée, von der nur die ersten beiden Akte erhalten sind. Die erste Veröffentlichung dieses Gedichts von La Fontaine erfolgte 1665 in Le songe de Vaux, wobei es kleinere Unterschiede zu dem vertonten Text gibt. Wie erfolgreich dieses kleine Lied war, zeigen zahlreiche Parodien undArrangements, die daraufhin folgten, wie auch Feuillages verts, naissez für zwei Stimmen und Basso continuo, das wir heute spielen. Die Kupplerin (um 1625), Gerard van Honthorst 1592–1656) Tavernenszene mit einem Lautenspieler (ca. 1621), Bartolomeo Manfredi (1582-1622) 67
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