Zwei Arien wurden zu Ehren des Königs geschrieben: A ta haute valeur, die für die von Richelieu in Rueil geplanten Feierlichkeiten 1685 komponiert wurde, und Que Louis par sa vaillance. Letztere hat die Besonderheit, dass sie mit einem Porträt von Charpentier im königlichen Almanach abgedruckt ist, einem großen illustrierten Kalender, der Ludwig XIV. als Propagandainstrument diente. Laut Antoine Furetière gehört das air à boire „zu den Liedern, die gemacht wurden, um bei Tisch zu unterhalten und zum Trinken zu animieren“. Die von Charpentier sind entweder für eine Bassstimme oder für zwei bzw. drei Stimmen geschrieben. Es sind lebhafte Lieder, mit Wörtern, die vor allem wegen ihres Klangs ausgewählt, aneinandergereiht und wiederholt werden in einem wahrlich berauschenden Spiel von Alliterationen und gewagten Klängen. So finden sich Lautmalereien wie „glouglou“, „plin plan plin plan“ in Veux-tu, compère Grégoire oder – wie in dem gnadenlos satirischen Beaux petits yeux d’écarlate – eine sinnlose Aneinanderreihung von sich reimenden Begriffen (Que le flux de sang, l’âme, la migraine, la fièvre quartaine, le trou galant …). Während diese Lieder die Trunkenheit feiern, gibt es in diesem Genre auch eine Reihe von heiteren Liedern (Si Claudine ma voisine, Ayant bu du vin clairet, Ne fripez point mon bavolet). um Furetière wieder zu zitieren, war das bavolet „eine Kopfbedeckung junger Bauernmädchen in der nähe von Paris, aus feinem gestärkten Leinen mit Stoffbändern, die über die Schultern hängen“. Die Mädchen achteten sehr darauf, dass ihre Haube keinen Schaden litt – durchaus auch im übertragenen Sinn. Die einfache Sprache und die Entschlossenheit dieses „Bauernmädchens“, sich nicht alles gefallen zu lassen, geben der Arie ihren besonderen Reiz. Autorin: Catherine Cessac Deutsche Fassung: Christina und Hannsjörg Bergmann Bei der Kupplerin (1656), Jan Vermeer (1632-1675) Tage alTer Musik regensburg Mai 2026 70
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