Tage alTer Musik regensburg Konzert 13 zu öffnen, die südlich der Alpen wehte: Während die spanischen Bühnen von Opern al estilo ytaliano bevölkert wurden, versuchte man in Frankreich – inmitten unzähliger Kontroversen – den neuen Stil mit dem des unvergleichlichen Jean-Baptiste Lully, dem imposanten und unvergesslichen „nationalkomponisten“, in Einklang zu bringen. In Deutschland transkribierte Johann Sebastian Bach Musik von Vivaldi für die Orgel und komponierte gerne Konzerte nach italienischem Gusto. Auch in England und den niederlanden verkauften produktive Verlegerfamilien wie die Walshes und Rogers ihre Ländereien, um die Partituren der neuesten italienischen Hits für den Markt zu sichern. Auch wenn Arcangelo Corelli (1653–1713) die Sonate nicht erfunden hat, wie Corrette fälschlicherweise behauptet, so hat er doch eine Schlüsselrolle bei ihrer Verfeinerung gespielt. nach einer Ausbildung in Bologna ließ sich Corelli bis zu seinem Tod in Rom nieder und stellte den Triller seiner Geige in den Dienst einiger der berühmtesten Persönlichkeiten und Institutionen der päpstlichen Hauptstadt. Seine Instrumentalwerke, die er zwar vorsichtig und sparsam an die Druckereien lieferte, genügten, um ihm die Wertschätzung und Verehrung der Musikliebhaber in ganz Europa zu verschaffen: Bereits 1682 unternahm der deutsche Komponist Georg Muffat, der Corelli in Rom gehört hatte, den Versuch, seinen Stil in einer berühmten Konzertsammlung zu imitieren – und noch 1835 konnte François-Joseph Fétis getrost schreiben, dass Corellis name, „gefeiert unter den Ruhmesblättern der Musik“, die Jahrhunderte überdauert hätte, „ohne einen Funken seines ursprünglichen Glanzes zu verlieren.“ Vierzehn lange Jahre sollten zwischen der Veröffentlichung der Sonate a violino e violone o cimbalo op. 5 (1700) in Rom, dem vielleicht berühmtesten Werk Corellis, und dem letzten seiner Werke liegen: der monumentalen Sammlung von zwölf Concerti Grossi op. 6, die ein Jahr nach dem Tod des Komponisten in Amsterdam erschien. Der Verleger Estienne Roger, damals schon ein erfahrener Geschäftsmann, hatte sich 1712 das Manuskript des Werks verschafft, indem er einen Vertrag unterzeichnete, der ihm anfangs sehr nachteilig erschien. Doch der Ruhm – und damit die zahlreichen Aufträge –, die ihm die Veröffentlichung des Werks in einer für seine Korrektheit und formale Eleganz bis heute vorbildlichen Ausgabe einbrachte, entschädigte den gewieften Verleger um mehr als für die entstandenen Kosten. Für sein letztes Werk hat Corelli Zeit und Energie aufgewendet, um dem Publikum das Beste zu bieten, was er in der (typisch römischen) Musikgattung des Concerto grosso komponiert hatte. Es besteht aus einer Abfolge von langsamen und schnellen Sätzen und zeichnet sich durch eine besondere Kompositionstechnik aus, die einen ständigen Dialog zwischen einem Solisten-Trio (dem so genannten Concertino) und dem übrigen Streichorchester (dem Concerto grosso) vorsieht. Das Concerto grosso war nicht Corellis Erfindung, aber er muss schon zu Beginn seines Aufenthalts in Rom viele Gelegenheiten gehabt haben, sich mit dieser Gattung vertraut zu machen. Auf jeden Fall war es seine Konzertsammlung, die diese Kompositionsart in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in das Bewusstsein der kultivierten Musikwelt brachte. Das Konzert in D-Dur op. 6, das vierte der Sammlung, beginnt mit einer sehr kurzen Einleitung im Adagio-Tempo, die nach nur vier Takten sofort durch den ungestümen Einsatz der ersten Violine des Concertinos unterbrochen wird und damit einen lebhaften und ausgedehnten Allegro-Teil mit einem eiligen Sechzehntel-Motiv einleitet. Die Imitation zwischen den beiden Soloviolinen wird zeitweise so präzise und dicht, dass sie einem Echo-Effekt gleicht. Insgesamt wirkt Antonio Vivaldi, Kupferstich von François Morellon la Cave, 1725 Arcangelo Corelli, 1697, Hugh Howard (1675-1737) Georg Philipp Telemann, Kupferstich von Georg Lichtensteger, um 1745 91
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