der gesamte Abschnitt wie die lebendige Darstellung einer Einladung zu einem Festmahl, die ein großer Fürst ausgesprochen hat, nachdem er beschlossen hatte, einer Gruppe von Freunden an einem Festtag die Türen seines Anwesens zu öffnen. Auf die heitere Aufregung des Augenblicks folgt jedoch ein weiteres Adagio, viel melancholischer als das erste und in Moll. Es folgen zwei weitere Sätze: der erste ist kurz und erinnert an ein fröhliches Menuett; der zweite ist länger und steht in einem binären Takt, der durch die häufige Verwendung von Triolen fast Gigue-charakter annimmt. Die Aufgabe, das konzert zu beenden, wird einem letzten, kurzen coda-Abschnitt anvertraut, in dem das concertino unerwartet den Schwung des ersten Allegros wieder aufnimmt: Unser imaginäres Fest endet so, wie es begonnen hat, mit einer triumphalen Salve von Sechzehntelnoten. Ein weiteres Werk, das wahrscheinlich auf den Geschmack der Verbraucher hin entstand, ist Vivaldis Flötenkonzert RV 439, das den Beinamen „la Notte“ (die Nacht) trägt und 1729 in seiner Sammlung Opus 10 veröffentlicht wurde. in diesem kleinen Juwel Programmmusik überarbeitete Vivaldi ein kammerkonzert, das er bereits für Flöte, Violinen, Fagott und Basso continuo (RV 104) geschrieben hatte und das seit einigen Jahren in Manuskriptform im Umlauf war. Diese neue Bearbeitung könnte ein Versuch gewesen sein, einer komposition neues leben einzuhauchen, die beim Publikum bereits beliebt war und auf deren Erfolg Vivaldi daher berechtigte Erwartungen setzen konnte. Das konzert entfaltet sich als eine Abfolge von kurzen Sätzen, die in starkem kontrast zueinander stehen und gemeinsam verschiedene Momente der Nacht darstellen sollen: die anfängliche Ruhe (von der Flöte durch endlose flattements heraufbeschworen, was man mit einem Hauch von ironie fast als Gähnen interpretieren könnte), die Passage einer rauschenden Geisterparade, die Ruhe des Schlafes und schließlich ein lebhaftes abschließendes Allegro – das eine Darstellung des Sonnenaufgangs bei Tagesanbruch sein könnte. Die idee muss Vivaldi als besonders klug empfunden haben, denn er hatte bereits das Vergnügen, das gleiche Programm Schritt für Schritt in einem ganz anderen Stück zu wiederholen: dem Fagottkonzert RV 501. Georg Philipp Telemann, einer der größten Vertreter der Musik des deutschen Spätbarock und Repräsentant eines „vermischten Geschmacks“, ging mit der zeitgenössischen Mode und bediente sowohl den Wunsch nach „Galantem“ als auch nach dramatischem „Sturm und Drang“. Dies zeigt sich sehr gut in seinemA-Dur konzert für Traversflöte, Violine und Violoncello aus der Tafelmusik. im Verlauf der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wird die Querflöte anstelle der Blockflöte zum bevorzugten instrument der musizierenden Aristokratie (man denke an Friedrich ii. von Preußen, den wohl prominentesten Flötisten seiner Zeit) und auch des zu Wohlstand gelangten Bürgertums. Der „flauto traverso“ hat eben dynamisch weit mehr Möglichkeiten als die Blockflöte, die „flûte douce“, und entspricht daher genau jenem aufkommenden Bedürfnis, das gesamte Spektrum menschlicher Gefühlsregungen abzubilden. Das A-Dur konzert schlägt fortschrittliche Töne an: Das eröffnende largo ruft eine heitere, gelöste Rokoko-idylle auf den Plan – mit betont luftiger, leichter Begleitung der Oberstimmen, von zauberhafter Transparenz auch der Mittelsatz, Gratioso, wie in Pastelltönen gezeichnet und im besten Sinne „galant“, die beiden schnellen Sätze des Werkes voll „schwärmender“, drängender Motivik mit raschen Tonrepetitionen, als müsse es unaufhaltsam aufbrechen in eine neue Zeit. carl Philipp Emanuel Bach wird mit seinen „Hamburger Sinfonien“ genau an diesem Punkt anknüpfen, um tatsächlich neue Wege zu erschließen! Von Stefan Johannes Hanke (*1984), einem Schüler Manfred Trojahns, stammt das Auftragswerk. Starfish Rebellion für Barockensemble, 2022 entstanden, ist eine sechs Minuten lange rhythmische Tour de force. Hanke übersteigert noch die Motorik lebhafter BarockSätze und verbindet sie mit einer Melodik auf der Basis von BluesCD: Verità Baroque – The Italian Album CD: Verità Baroque – The German Album Tage alTer Musik regensburg Mai 2026 92
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